Jahrhundertbuch der Musik

»The Rest is Noise« des US-Musikkritikers Alex Ross mit Belmont-Preis ausgezeichnet

Kennen Sie ein Sachbuch, das noch zwei Jahre nach seinem Erscheinen mit einem renommierten und stattlichen 20.000 Euro dotierten Preis ausgezeichnet wird? Dem 43-jährigen Musikkritiker Alex Ross ist dies gleich mit seinem Erstling gelungen: In »The Rest is Noise: Das 20. Jahrhundert hören« lässt er uns die Geschichte des 20. Jahrhunderts über dessen Musik neu erleben – von Wien und Graz am Vorabend des Ersten Weltkriegs aus nach Paris und ins Berlin der Goldenen 20er-Jahre, dann durch Hitler-Deutschland über Russland ins Amerika der 60er- und 70er-Jahre. Er führt uns durch ein labyrinthisches Reich, von Jean Sibelius bis Lou Reed, von Gustav Mahler bis Björk. Und wir folgen dem Aufstieg der Massenkultur wie der Politik der Massen, den dramatischen Veränderungen durch neue Techniken genauso wie den Kriegen, Experimenten, Revolutionen und Aufständen des zurückliegenden Jahrhunderts.

Lesefreude wie bei einem Roman

Das Außergewöhnliche an diesem Buch ist neben seinem enormen Informationsreichtum (Weiteres übrigens auch auf www.therestisnoise.com) die leichtfüßige und aller Fachprosa trotzende Sprache der Amerikaners, der mit einer Selbverständlichkeit U- und E-Musik quasi als die zweieiigen Zwillinge einer Kulturgeschichtsepoche darzustellen weiß, wie man es bislang nicht kannte. Auch der Autor selbst hat dafür einen grundlegenden Lernprozess durchgemacht: Auf die Frage, wie er zum Titel seines Buches gekommen sei, antwortete Ross, dass für ihn als Jugendlicher einzig die Werke eines Haydn, Mozart, Beethoven und manchmal noch eines Mahler Bedeutung hatten … »and the rest was noise«. Das änderte sich dann aber während seiner Studienzeit.

Seit seiner Erstausgabe in den USA 1999 ist dieses Buch mittlerweile in 15 Ländern erschienen, das sich mehr wie ein Roman als wie ein Sachbuch liest – dank darin geschilderter großer Biografien, utopischer Träume und schicksalhafter Veränderungen. Die Kulturkritik hat mittlerweile viele Loblieder auf »The Rest is Noise« gesungen, und auch die Popmusikszene zeigte sich begeistert: So bezeichnete stellvertetend Neil Tennant von den Pet Shop Boys dieses Buch als »exzellent«.

Alex Ross: The Rest is Noise. Das 20. Jahrhundert hören
ISBN 978-3-492-05301-3
704 Seiten, geb.
Piper, EUR 29,95

musikschulwelt meint: Wer sich einmal dem Gesamtphänomen zeitgenössischer Musik in all ihren Ausprägungen annähern will, kommt an diesem Buch nicht vorbei – oder besser: wird diesem 700-Seiten-Epos von Alex Ross verfallen. Nicht umsonst fiel die Juryentscheidung der Forberg-Schneider-Stiftung für den Belmont-Preis 2012 auf »The Rest is Noise«, erzähle dieses doch kenntnisreich und unterhaltsam von der Musik dieser Zeit und eröffne über die Grenzen von Klassik, Jazz, Rock und Pop hinweg einen neuen Blick auf die Kulturgeschichte. Unser Fazit: Ein Lesevergnügen mit hohem Nährwert und langem Nachhall für wirklich jeden Musikfreund …