100 db gegen den Berufsstress

Moore and More (6)[Beruf: Richter | Hobby: Keyboarder]

musikschulwelt spricht mit Dr. Frank Altpeter, hauptberuflicher Richter am Amtsgericht Köln, über seine Leidenschaft als Keyboarder und Sänger der Rockband »Moore and More«.

Dr. Frank Altpeter (57) spricht tagtäglich Recht am Amtsgericht in Köln … wenn er sich nicht gerade durch Aktenberge wühlt, um seine Fälle im Allgemeinen Strafrecht vorzubereiten. Ein ebenso zeitintensiver wie verantwortungsreicher Beruf, der wenig Freizeit übrig lässt. Dennoch hat es sich Frank Altpeter nicht nehmen lassen, seine Begeisterung für das aktive Musizieren aus Jugendtagen ins Berufsleben hinüberzuretten: heute als Keyboarder und Sänger der Cover-Rockband »Moore and More«.

musikschulwelt: Ein Richter am Keyboard einer Rockband: Wie hat Ihr Dienstherr auf dieses öffentlich ausgeübte Hobby reagiert?

F.A.: Der Dienstherr war – und ist – begeistert und unterstützt mich wohlwollend. Immerhin hat es auch jede Menge positive Publicity gegeben, als wir in der JVA Ossendorf gespielt und Presse und Fernsehen darüber berichtet haben. Nach vieler Schelte hat das Gericht endlich mal wieder gut dagestanden. Jeweils im November haben wir unser »Heimspiel« im Kölner Yard Club, wo dann auch das Amtsgericht zahlreich vertreten ist.

Eine klassische Musikschulkarriere

musikschulwelt: In welchem Alter haben Sie denn Geschmack am Musizieren gefunden?

F.A.: Meine musikalische Ausbildung war klassisch und umfassend: Mit 5 in den Elementarunterricht samt Blockflötenkurs für drei Jahre. Danach der Umstieg – erst auf Altflöte, danach auch Tenor- und Bassflöte zur Unterstützung des Musikschulorchesters. Ab 8 dann klassische Klavierausbildung für insgesamt etwas mehr als zehn Jahre. Damals war übrigens an Rockmusik im Unterricht gar nicht zu denken – es gab nur Czerny, mein persönliches Hassobjekt ;-), Beethoven u. Ä. Daneben gab es an der Musikschule die musiktheoretische Weiterbildung in Harmonielehre, Kompositionslehre und Gehörbildung – ich habe einfach alle weiterführenden Kurse besucht, die angeboten wurden. Schuld daran war Hermann Gehlen, eigentlich ein professioneller Big-Band-Leader, der an der Jugendmusikschule lehrte und einem unheimlich viel Spaß an der Theorie vermitteln konnte. Besonders die Gehörbildung war einfach toll: Im Radio einen Song hören und quasi sofort nachspielen können – das hat mächtig Eindruck gemacht. Elton John war damals ein dankbares Opfer, ebenso wie Supertramp 🙂

In der Oberstufe folgte dann meine Ausbildung zum »Feuerwehrmann« im Schulorchester: Wann immer es irgendwo brannte, gab es einen Crashkurs für mich, damit ich aushelfen konnte. Dadurch hatte ich Kontakt mit zahllosen Intrumenten, am meisten noch mit dem Schlagzeug und Blasinstrumenten. Gesangsunterricht nahm ich erst ab 2007, als »Moore and More« (weitere Infos und aktuelle Auftrittstermine finden sich auf der Band-Homepage & Facebook) entstand und ich einfach besser singen können wollte.

musikschulwelt: Als Jugendlicher also ein »Hans Dampf« in allen musikalischen Gassen. Dann hatten Sie sicher auch schon früh eine eigene Band?

F.A.: Bandprojekte gab es seit der Schulzeit zahlreiche – aber niemals wirklich richtig erfolgreich. In den 90ern habe ich mir dann ein eigenes kleines Studio gegönnt und später dann mit Freunden aus den USA und Deutschland auch eine CD aufgenommen – das Internet macht solch internationale Kollaboration ja möglich, und den dafür nötigen Server hat ein Instrumentenbauer aus Brasilien zur Verfügung gestellt. Dadurch waren parallele Aufnahmen in Bonn, Krefeld, New York und Plattsburgh möglich. Schon abenteuerlich … Resultat war übrigens das Art-Rock-Album »Waran – Wheel Of Time«.

Moore and More (5)

(©Moore and More)

musikschulwelt: Dennoch war Musik für Sie keine Berufsoption?

F.A.: Nur mittelbar. Als professioneller Band- oder Studiomusiker war ich damals realistischerweise nicht gut genug. Eigentlich erwog ich, Toningenieur zu werden. Damals gab es allerdings noch nicht die zahllosen Fachhochschulstudiengänge von heute, sondern das Tontechnikstudium war der Musikhochschule angegliedert. Was bedeutete, dass man noch zwei Instrumente studieren musste, um Techniker(!) zu werden. Für Klavier hätte es ja noch gelangt, aber das zweite Instrument wäre schwer geworden. Unter heutigen Umständen wäre ich wahrscheinlich an einer Fachhochschule für Tontechnik gelandet – aber dann gäbe es dieses Interview nicht …

Erzwungene Auszeit während des Studiums

musikschulwelt: Also entschieden Sie sich für Jura. Wie ließ sich denn Ihr »Musikhobby« auf diesem hohen Niveau mit dem herausfordernden Jurastudium vereinbaren?

F.A.: Ganz einfach: gar nicht. Das Jurastudium war, was mich betrifft, ein Vollzeitjob. Von Haus aus hatte ich keine finanzielle Unterstützung. Weil mein Vater schon früh gestorben war, bezog ich eine Halbwaisenrente – und das war’s. Ich musste also möglichst schnell fertig werden, um selbst Geld zu verdienen. Ich bin morgens um 8 Uhr in die Uni gegangen und abends um 18 Uhr nach Hause. Da war für ein Bandleben kein Platz. Zu dieser Zeit besaß ich noch nicht mal mehr ein Klavier oder Keyboard …

musikschulwelt: Nach abgeschlossenem Studium wollten Sie dann aber auch musikalisch wieder durchstarten. Wie fand sich denn »Moore and More« zusammen?

F.A.: Es gab eine Art »Vorläuferband«, in der unser Bassist Jochen Reinsberg, unser Schlagzeuger Reiner Heinzen und unser Gitarrist Bernd Koegler gespielt haben. Als dort der Keyboarder abhanden kam, fragte Jochen mich, ob ich nicht Lust hätte, einzusteigen. Zwar war deren reines Bluesprogramm so gar nicht mein Ding, aber ich dachte, als Wiedereinstieg in das Bandleben nach langer Studien- und Kinderpause wäre es eine gute Gelegenheit.

Mit dieser Band habe ich dann zwei Jahre gespielt, bevor es dort zu Zwist über das Programm kam: Der Bandgründer wollte weiter reinen Blues spielen – auch um den Preis, niemals Engagements zu bekommen. Der Gitarrist und ich bevorzugten das rockigere Programm … mit dem Ergebnis, dass der Bandgründer aus seiner eigenen Band ausstieg und wir zu viert mit verändertem Konzept weitermachten.

Der verschlungene Weg zur eigenen Band

musikschulwelt: Das war dann sozusagen die Geburtsstunde von »Moore and More«?

F.A.: Das kann man so sagen. Es sollte ein Repertoire gefunden werden, dass alle Bandmitglieder zufriedenstellte, mit dem man aber auch mehr Publikum ziehen könnte. Da Gary Moores Bluesnummern schon zum Programm gehörten und er auch etliche legendäre Rocktitel produziert hatte, war der Konsens schnell gefunden – und wir sind bis heute damit sehr zufrieden und glücklich.

Neben den klassischen Bluesstücken aus den 90ern hat der 2011 verstorbene Nordire ja eine experimentelle Phase in den 70ern und eine wilde Rock-Zeit in den 80ern hinter sich gebracht und dabei neben den echten Krachern auch ein paar richtige Schnulzen fürs Herz geschrieben. Es gibt kaum einen anderen Rockmusiker, der derart vielseitig war. Zudem konnten wir mit dem Label »Gary Moore« nun auch ein Konzept präsentieren, bei dem jeder Veranstalter sofort weiß, was ihn erwartet. Dieses Konzept spielen wir nun seit rund sieben Jahren – und das mit immer weiter wachsendem Erfolg.

Moore and More (2)

DIe Bandmitglieder (v.l.n.r.): Frank Altpeter (git/voc) | Jochen Reinsberg (b) | Reiner Heinzen (dr) | Bernd Koegler (git/voc) (©Moore and More)

musikschulwelt: Welches sind denn Ihre persönlichen Gary-Moore-Favorits?

F.A.: Ich bevorzuge eindeutig die rockigeren Stücke – und davon besonders die irisch/keltisch angehauchten. »Over The Hills And Far Away«, »Days Of Heroes« u. Ä. haben einfach etwas. Da ich, was meinen persönlichen Musikgeschmack angeht, aus einer ganz anderen Ecke komme (Prog-Rock à la frühe Genesis, Pink Floyd, Spock’s Beard und Transatlantic), bin ich sehr froh, dass wir mit »Fighting Talk« der Band Colosseum II (Mitbegründer war G. Moore) sogar ein echtes frickeliges Jazzrock-Stück im Angebot haben.

musikschulwelt: Ist bei der Festlegung auf einen einzigen Künstler das Repertoire nicht bald erschöpft?

F.A.: Kurz gesagt: Nein! Es umfasst ja nicht nur Gary Moores Soloprojekte, sondern auch alle Bands, in denen er jemals eine tragende Rolle gespielt hat – eben »Moore and More«: Anfang der 70er Skid Row und Colosseum II (Jazz-Rock), in den 70ern Thin Lizzy, in den 80ern die Gary Moore Band, Ende der 80er die Greg Lake Band, in den 90ern BBM usw. Der Mann hat unzählige CDs in diversen Genres aufgenommen. Also kann man aus einem Fundus von mindestens 500 Stücken schöpfen – von den zahllosen Coverversionen, die Gary Moore selbst eingespielt hat, ganz zu schweigen. Wir sind damit durch, wenn ich 80 werde 😉

Das Sahnehäubchen im Leben

musikschulwelt: Welche Rolle spielt das Musizieren heute als Volljurist in Ihrem Leben?

F.A.: Lieblingsbeschäftigung! Ich kann derzeit gar nicht genug davon bekommen. Inzwischen zahlt sich unsere kontinuierliche Bandarbeit aus und die Auftritte werden immer zahlreicher und größer. Und das Spielen vor Publikum ist eindeutig ein Sahnehäubchen im Leben und macht sensationell viel Spaß. Wenn die Zuhörer vor der Bühne Spaß haben, feuert das natürlich auch die Band an … und dann geht oft richtig die Post ab. Wenn es passt, spielen wir dann gerne auch mal drei Stunden oder mehr …

Das Musikmachen ist das Kontrastprogramm zum Beruf, der mittlerweile deutlich aufreibenden Charakter hat. Die Belastung dort ist aufgrund der Sparmaßnahmen so groß geworden, dass der – immer noch vorhandene – Spaß an der Sache durch eine unleugbare Überbelastung leidet. Dann helfen 100 db Rock gegen Stress und Frust!

musikschulwelt: Welchen Proben- und Planungsaufwand betreiben Sie dafür?

Der Probenaufwand ist schnell umschrieben: ein Abend pro Woche von 19 bis 22 Uhr. Dabei spielen wir meist sehr diszipliniert möglichst viele Stücke mit wechselndem Programm, um nichts aus unserem mittlerweile sehr umfangreichen Angebot zu vergessen. Bislang haben wir rund 50 Stücke, die wir jederzeit auf Zuruf spielen können. Für die verschiedenen Veranstalter gibt es mehrere unterschiedlich konzipierte Sets, etwa ein reines Blues-, ein Best of- oder ein reines Rock-Set. Jedes geht über etwa zwei Stunden zzgl. beliebiger Zugaben. Zum Proben haben wir einen Raum gemietet, der ausschließlich zu unserer Verfügung steht. Wenn ich also Keyboards programmiere oder üben will, kann ich 24/7 darauf zurückgreifen.

Der sonstige Nebenaufwand ist allerdings nicht unbeträchtlich. Zunächst üben wir ja alle auch noch zu Hause, insbesondere wenn neue Stücke auf dem Programm stehen. Etwa jedes halbe Jahr gibt es eine Abstimmungsrunde mit acht Neuvorschlägen, von denen diejenigen, die bei allen Bandmitgliedern auf Zustimmung stoßen, ins Programm übernommen werden. So wächst unser Repertoire kontinuierlich und es wird nicht langweilig.

Keine Zeit für Langeweile

Meine weiteren Aufgaben liegen in der Gestaltung und Unterhaltung unserer Homepage und der Facebook-Seite, die beide sehr intensiv gepflegt werden. Daneben erstelle ich noch die Grafiken für Flyer, Plakate, CDs und DVDs. Schließlich besitze ich ein kleines Homestudio, wo die Soundtracks für unsere Promo-DVD und mehrere CDs produziert wurden. Zeit für andere Hobbies bleibt da kaum. Nicht zuletzt ist da noch die Akquise neuer Auftritte, die der Gitarrist und ich zwischen uns aufgeteilt haben. Das bedeutet viel Internetrecherche und noch mehr Telefonarbeit.

Moore and More (4)

(©Moore and More)

musikschulwelt: Das sind ja die typischen Herausforderungen, mit denen auch andere Bands in gleichem Maße zu kämpfen haben …

Ja, der zeitliche Aufwand ist immens, der finanzielle mittlerweile – Gott sei Dank – mindestens ein Nullsummen-Spiel. Wir gönnen uns einen (teuren) eigenen Proberaum in einer ehemaligen Industrieanlage hinter Bonn, in dem wir keine weitere Band beherbergen. Denn wir haben keine Lust, aus reiner Sparsamkeit etwa wilde Twens an unserem Equipment herumfuhrwerken zu lassen … und das lassen wir uns entsprechend etwas kosten. Das bedeutet für mich für jede Probe rund 100 km Fahrstrecke hin und zurück, aber Kölner Proberäume sind völlig unbezahlbar. Zu den auswärtigen Terminen über 350 km Entfernung mieten wir zudem immer einen Bandbus, der (leider) einen nicht unerheblichen Teil der Gage frisst.

Die drei Bandprobleme: Zeit, Geld, GEMA

Die GEMA halten wir uns dadurch vom Hals, dass wir grundsätzlich nie als Eigenveranstalter auftreten. Wir lassen uns engagieren, der Veranstalter trägt nach unserem Vertrag stets die GEMA-Gebühren. Und, wie schon gesagt, braucht die Akquise auch ihre Zeit. Allerdings: Wo wir einmal waren, werden wir in der Regel wieder eingeladen, sodass wir bereits eine erhebliche Zahl von Stammlocations haben, die uns immer wieder buchen. Mehr als 20 Konzerte im Jahr können wir leider nicht spielen, solange wir durch meine Arbeit als Richter noch an die Wochenenden gebunden sind. Damit ist praktisch jedes zweite Wochenende verplant – und mit Urlauben der Bandmitglieder gerechnet sogar jedes verfügbare. Ich würde sehr gerne noch deutlich mehr spielen – denn nur Auftritte geben die notwendige Routine.

musikschulwelt: Wie erarbeiten Sie denn gemeinsam einen neuen Song?

Moore and More (3)

Frank Altpeter und Gary Moores Keyborader Neil Carter (©Moore and More)

Da alle Bandmitglieder sehr gut »heraushören« können, muss jeder für seine Repertoirevorschläge die grundlegenden Strukturen zunächst notieren. Dabei beschränken wir uns auf das Notwendigste: Akkorde und vielleicht noch besonders schwierige Sololinien. Diese Struktur genügt dann meistens schon, um ein Stück ausprobieren zu können. Ist ein Stück dann gewählt und notiert, muss jeder zu Hause das Original vielfach hören und üben, um seine eigenen Linien herauszufinden. Das führt dazu, dass es oft schon in der ersten gemeinsamen Probe passabel läuft und sich das Resultat bereits einigermaßen dem Original annähert.
Seit letztem Jahr haben wir zudem prominente Unterstützung: Mit dem Original-Keyboarder der Gary Moore Band, Neil Carter, habe ich mich inzwischen auch persönlich angefreundet. Bei Problemen ist er stets bereit, uns unter die Arme zu greifen.

musikschulwelt: Da genießt Ihre Band ja mittlerweile schon einen internationalen Ruf …

F.A.: Es war natürlich ein großes Glück, diese Kontakte knüpfen zu können. Wie es dazu kam? Gary Moore hatte 2010 damit begonnen, nach nahezu zwanzig Jahren Pause wieder eine keltisch angehauchte Rock-Platte aufzunehmen. Dazu hatte er seine Originalband aus den 80ern zusammengetrommelt. Bei seinen 2010er Konzerten präsentierte er auch drei neue Stücke live, die aus diesen Aufnahmesessions resultierten. Leider ist er ja dann quasi während der Aufnahmen verstorben, sodass es die neuen Stücke nie auf eine CD geschafft haben.

Auf Du und Du mit Garys Keyboarder

Weil wir aber Garys komplettes Schaffen abbilden wollen, musste auch eines von diesen letzten Stücken ins Programm. Das Problem: Von diesen gab es nur zwei Live-Aufzeichnungen in bestenfalls mäßiger Qualität. Insbesondere der Text stellte mich vor größere Probleme, weil er sehr genuschelt war. Also kam ich auf die Idee, den Keyboarder Neil Carter 2013 per E-Mail um Hilfe zu bitten – und völlig wider Erwarten war er sehr hilfsbereit: Wie sich herausstellte, konnte ich den Text kaum richtig heraushören, weil mehrere irische Eigennamen darin vorkamen, die auch ein englisch Bewanderter kaum einordnen konnte … Seitdem ist der Kontakt nicht mehr abgerissen.

musikschulwelt: Und mittlerweile spielen Sie sogar auf Teilen des Original-Equipments der Gary Moore Band …

F.A. Im Sommer 2015 erhielt BerndKoegler, unser Gitarrist, von Gary Moores ehemaligem Gitarrenladen GAK das Angebot, die Heritage CM150 zu erwerben, die Gary Moore auf den 1989er und 1990er Touren benutzt hatte und auf den entsprechenden DVDs zu sehen ist. Und mittlerweile hat er auch Moores Les Paul Goldtop 1957 Reissue auf einer Auktion in London erworben, nämlich diejenige, die in vielen Internet-Artikeln abgebildet ist, weil sie in Gary Moores Wikipedia-Eintrag abgebildet ist.

Im Dezember 2015 habe ich dann Neil Carter endlich auch persönlich treffen dürfen und wir verbrachten zunächst einen legendär lustigen Tag mit Lachen bis zur Atemnot. Es war quasi Liebe auf den ersten Blick. Einige Tage später haben wir uns nochmals getroffen und Neil bot mir an, die Keyboards von der 2010er Tour – derjenigen, von der eben dieser fragliche Song »Days Of Heroes« stammte – spielen zu können. Und weil es Liebe auf den ersten Blick war, besitze ich nun die Originalsounds, wie sie auf der 2010er DVD »Live in Montreux« zu sehen und zu hören sind.

musikschulwelt: Damit ist »Moore and More« ja in regelrecht professionelle Sphären vorgestoßen. Dazu zwei- bis dreistündige Konzerte, die ja eine enorme körperliche und stimmliche Kondition erfordern. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

F.A.: Absolut kein Alkohol vor und während der Auftritte, genug Wasser und zur Not Salzwasser (gegen Heiserkeit … die bei ordentlicher stimmlicher Vorbereitung nicht auftreten sollte, aber man weiß ja nie). Körperliche Fitness bringen mir die täglichen 25 km Radfahren zur Arbeit und wieder nach Hause.

Alkohol- und ÖPNV-Verzicht als Erfolgsrezept

Wir schon erwähnt, habe ich für das Singen aber auch einen Profi zurate gezogen. Dolores Hidalgo, meine Stimmtrainerin aus Köln, hat mir in sehr kurzer Zeit sehr viel beigebracht. Seitdem beherrsche ich die Technik, auch herausfordernde stimmliche Parts ohne Überbeanspruchung der Stimmbänder zu meistern. (»Wenn der hohe Ton ordentlich vorbereitet wird, kann nichts schiefgehen und du triffst ihn!«)
Ganz nebenbei hat sie mir nach oben eine ganze und nach unten eine halbe Oktave erweiterten Stimmumfang beschert. Ein Hoch auf Dolores! Bei ihr habe ich lernen dürfen, dass es beim Singen in erheblichem Maß auf Technik ankommt, wenn man sich nicht durch von Herzen kommendes Gegröle die Stimme ruinieren will. Seitdem kann ich auch Gary Moores hohe Stimmlage in den Originaltonarten singen und muss nicht – wie viele andere Coverbands – die Stücke herunterstimmen! Heiserkeit nach einem Auftritt gibt es seitdem nicht mehr und ich bin sehr laut geworden 🙂

musikschulwelt: Können Sie sich ein Leben ohne aktives Musizieren überhaupt noch vorstellen?

F.A.: Im Moment: nein! Die Band funktioniert schon über so lange Zeit so gut – es macht einfach höllisch Spaß, mit den Jungs zu spielen. Abgesehen von dem hohen »Bauchpinselfaktor« unserer erfolgreichen Gigs ist es sehr spannend, immer wieder neue Stücke zu erarbeiten, die mich auch vor neue Herausforderungen stellen: nicht nur spieltechnisch, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes technisch: z. B. durch gesampelte Geräusche als Intros etc., die extrahiert, gemeistert und programmiert werden wollen – Gott sei Dank alles mit Erlaubnis der Original-Band, sodass wir dort GEMA-technisch ebenfalls keine Probleme zu erwarten haben.

Meine Frau (Lebensgefährtin) unterstützt mich dabei liebevoll und vorbehaltlos. Bei den Konzerten im 75 km-Radius ist sie fast immer dabei, die weiter entfernten rede ich ihr aus. Obwohl sie unser Repertoire inzwischen natürlich im Schlaf herunterbeten kann, kommt sie trotzdem jedes Mal mit – für mich fast unbegreiflich, aber sehr motivierend.

Moore and More (7)

©Moore and More (Foto: K.D. Classen)

musikschulwelt: Ist der Musikvirus denn auch auf Ihre beiden Söhne übergesprungen?

F.A.: Meine beiden Söhne haben sich zuhause am Mischpult nützlich gemacht, bis sie studienbedingt ausziehen mussten – heute kommen sie ab und zu mal zu den Gigs … Aber apropos Virus: Mein Sohn Jonas hat es inzwischen weiter gebracht als ich: Er hat seine erste CD 2015 mit der Band Astoroth veröffentlicht (allerdings in dem mir völlig fremden Genre Gothic Rock/Ambient Metal).

Wer nicht nach den Sternen greift, wird sie auch nicht erreichen!

musikschulwelt: Was sind Ihre nächsten musikalischen Pläne?

Höher, schneller, weiter! Ich möchte gerne in größeren Locations spielen! Manchmal geht es mir bei der Steigerung nicht schnell genug. Vor 25 Jahren, da wäre das Tempo ok gewesen. Aber heute habe ich nicht mehr so viel Zeit, mich nur langsam zu steigern. Es muss krachen, solange ich noch richtig fit bin … Diesen Sommer spielen wir erstmals als Vorgruppe einer wirklich professionellen Truppe: den Rock-Dinos von Bonfire auf einem Open-Air-Festival in Zons. Da werden sicherlich rund 1000 Leute vor Ort sein – nach dem Lions Festival in Hürth 2013 mit 1200 Zuhörern unser derzeit größtes Projekt.

Ich würde mir wünschen, einmal vor einem richtig großen Publikum zu spielen: 3000 Zuhörer im Kölner E-Werk oder mehr. In den kommenden Jahren würden wir gerne einmal beim jährlichen »Gathering For Gary« in dessen Heimatstadt Brighton spielen. Leider gilt es davor noch sehr viele technische Hürden zu meistern, aber wir arbeiten daran. Bringen Sie mal Instrumente zu akzeptablen Preisen ins Ausland … eine Herkules-Aufgabe. Aber: Wer nicht nach den Sternen greift, wird sie auch nicht erreichen!

Ein Beitrag aus der O-Ton-Reihe »Musizieren als Erwachsenen-Hobby« von musikschulwelt.de. Die Fragen stellte Alexander Reischert.

Musikmachen in der Freizeit ist beileibe kein exklusives Hobby für Kinder und Jugendliche. Den Trend zum verstärkten Erwachsenenmusizieren haben längst auch städtische Musikschulen und andere Anbieter erkannt. musikschulwelt stellt in loser Folge Personen vor, bei denen das aktive Musizieren als Hobby neben ihrem Berufsalltag eine nicht zu überhörende Rolle spielt. Manch einer bewegt sich dabei sogar auf semiprofessionellem Niveau, alle jedoch mit ungebremster Leidenschaft.

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