Instrumentenwahl: Klavier

Das Klavier und seine ungeahnten Möglichkeiten

Klaviertasten, Tasten, Klavier, Piano

Vielseitigkeit

Das Klavier ist wohl eines der vielseitigsten Instrumente überhaupt und erfreut sich bei Jung und Alt größter Beliebtheit. Egal ob Klassiker wie Beethoven, Mozart, Debussy oder Chopin, Jazz, Blues oder Pop, egal ob gefühlvolle Balladen, fetzige Rocknummern, Filmmusiken oder Eigenkompositionen und freie Improvisationen, egal ob solistisch oder als vielfältig einsetzbares Begleitinstrument: Auf dem Klavier kann man eine geradezu unerschöpfliche Palette von Musikrichtungen und -stilen spielen und so ist garantiert für jeden Musikgeschmack und für jedes Alter etwas dabei.

Der Start

Beginnt man mit dem Klavierspiel, so läuft der Unterricht in der Regel zumeist in immer gleichen Bahnen ab: Nach Tonleitern und anderen Fingerübungen sowie ersten simplen Kinder- bzw. Volksliedern werden zunächst einfache, dann Stücke mit stetig steigendem (technischen) Anspruch aus dem klassischen Repertoire erarbeitet. Auch wer in seiner Freizeit nicht unbedingt Klassik hört, sollte sich diesem Genre beim Klavier zunächst zuwenden, da man hier am besten die wichtigsten Grundlagen fürs Klavierspielen erlernen kann. Hat man ein gewisses technisches Level erreicht, steht einem die ganze musikalische Welt offen und man kann dem Wunsch nach Erweiterung seines Repertoires bzw. nach einer Vertiefung einer bestimmten Musikrichtung, sei es Pop, Rock, Jazz oder Filmmusik, problemlos nachgehen. Fast zu jedem populären Stück gibt es mittlerweile ein bereits vorgefertigtes Klavierarrangement. Ist dies (noch) nicht der Fall, so kann das Klavier als wunderbares Werkzeug dienen, um zur Melodie seines persönlichen Lieblingssongs durch Ausprobieren und ganz ohne Hemmungen im stillen Kämmerlein selbst die passenden Akkorde zu finden oder gar ein ganz eigenes Arrangement zu schreiben. Sich selbst dann irgendwann zu seinem eigenen Gesang am Klavier begleiten zu können, hat eine geradezu befreiende Wirkung und tut der Seele in allen Lebenslagen ungeheuer gut.

Schnelle Erfolgserlebnisse

Da der Ton vom Klavier, anders z.B. als bei Geige, Cello oder Blasinstrumenten, selbst „erzeugt“ wird, d.h. quasi auf „Knopfdruck“ oder besser gesagt „Tastendruck“ erfolgt, sind schnell erste klingende Erfolgserlebnisse hörbar. Bereits nach wenigen Unterrichtsstunden wird es gelingen, einfache Melodien bzw. Lieder auf Anhieb intonatorisch sauber zu spielen.

Solistisch oder im Ensemble?

In erster Linie ist das Klavier ein Soloinstrument. Da es über einen sehr großen Tonumfang verfügt und man mehrere Töne gleichzeitig anschlagen kann, klingt das Klavier aber oftmals wie ein ganzes Orchester. Zu Übezwecken – u.a. bei Einstudierungen von Solo- oder Chorwerken mit Orchester – wird es daher auch gerne eingesetzt, um z.B. den Orchesterpart rhythmisch und harmonisch zu simulieren. Wer allerdings den Wunsch hat, selbst in einem Orchester zu spielen, für den ist das Klavier sicherlich nicht die erste Wahl. Denn das Klavier hat im Orchester eher die Rolle eines Außenseiters inne. Da vor allem in klassischen Orchesterwerken aus der Zeit vor dem 20. Jahrhundert oft keine separate Klavierstimme vorgesehen ist, haben viele Orchester auch keinen festen eigenen Pianisten, da der Bedarf einfach zu gering ist. Zwar findet sich in der Klavierliteratur eine Vielzahl fantastischer Klavierkonzerte, also von Solokonzerten für Klavier und (oftmals begleitendem) Orchester. Diese sind aber in der Regel exorbitant schwer und bedürfen echter Profis, die das Klavierspielen zu ihrem Beruf gemacht haben.

Als kammermusikalischer Partner z.B. von Streichern, Bläsern und Sängern allerdings eignet sich das Klavier hervorragend. Und beim Vier- bzw. Sechshändigspiel können auch mehrere Klavierspieler an einem Instrument miteinander musizieren.

Außerdem bildet das Klavier die Grundlage zum Erlernen fast aller anderen Tasteninstrumente, so z.B. Cembalo, (Kirchen-)Orgel oder Keyboard. Vor allem das Keyboard wird mit Vorliebe auch von Alleinunterhaltern und Personen, die nur für sich selbst spielen wollen, genutzt, weil dieses Instrument einer einzelnen Person ermöglicht, den Klang einer ganzen „Band“ zu imitieren.

Ein Instrument für Jung und/oder Alt?

Prinzipiell gilt: Instrumentalunterricht ist dann sinnvoll, wenn ein Kind die notwendige motorische und intellektuelle Reife zum Erlernen eines bestimmten Musikinstruments hat. Ob es also ratsam ist, bereits mit drei oder vier Jahren mit dem Klavierspiel zu beginnen, hängt vom Entwicklungsstand des Kindes ab. In der Regel empfiehlt sich ein Einstieg im Einzel- oder Gruppenunterricht im Alter zwischen fünf und sieben Jahren, aber z.B. auch als Acht- bis Zehnjähriger kann man natürlich problemlos durchstarten.

Wer als Jugendlicher oder auch Erwachsener bedauert, als Kind nicht die Möglichkeit gehabt zu haben, Klavierspielen zu lernen, dem sei gesagt: Es ist nie zu spät! Selbstverständlich kann man auch als junger Erwachsener und ebenfalls als „Senior“ das Klavierspiel noch erlernen. Die eigene Zielsetzung, die bestenfalls zugleich die Triebfeder zum Erfolg ist, ist bei Erwachsenen jedoch in der Regel eine andere als bei Kindern. Dem Erwachsenen, der sich aus freien Stücken dazu entschließt, Klavierspielen zu lernen, geht es in erster Linie darum, etwas für sich selbst tun zu wollen, sich möglicherweise einen bereits lang gehegten Traum zu erfüllen und sein Leben um eine weitere Facette zu bereichern.

Deshalb sollte man sich auch nie mit jungen Klavieranfängern vergleichen, auch wenn sich erste Erfolge möglicherweise im Alter deutlich langsamer einstellen. Der Spaß und die Freude sollten im Vordergrund stehen, gepaart mit einem gesunden Ehrgeiz, mit Geduld und ohne den Druck, zu viel von sich abzuverlangen oder zu viel erreichen zu wollen.

Klavierunterricht: traditionell oder online?

Bis heute ist der klassische Einzelunterricht der wohl beliebteste und vor allem für Kinder effizienteste Weg, um Klavierspielen zu lernen. Dabei bieten sowohl private LehrerInnen wie auch regionale Musikschulen Klavierunterricht an – in der Regel einmal pro Woche für anfangs 30, später im Normalfall 45 bis 60 Minuten. Während Musikschulen sich ausschließlich auf Vor-Ort-Unterricht beschränken, bieten manche PrivatlehrerInnen auch an, direkt zum Klavierschüler ins Haus zu kommen und den Unterricht dort abzuhalten. Dies hat natürlich den Vorteil, dass vor allem sehr junge Klavieranfänger nicht aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen werden und die Eltern sich auf diese Weise so manche Mama-/Papa-Taxifahrt und damit viel Zeit sparen können.

Voll im Trend sind aber mittlerweile auch Online-Klavierschulen. So finden sich im Internet nicht nur zahlreiche kostenlose YouTube-Videos zum Thema Klavierspielen, sondern zahlreiche Apps und ganze Online-Musikschulen, die z.T. sogar komplette und didaktisch hochwertige Kurse für Anfänger wie Fortgeschrittene anbieten. Sie können entweder als Ergänzung zum herkömmlichen Klavierunterricht dienen oder separat – mit eigenem Zeitmanagement – genutzt werden. Gerade die zeitliche Flexibilität stellt, ganz abgesehen vom Preisvorteil, besonders für Erwachsene bzw. Berufstätige, die sich nicht an einen festen Termin in der Woche binden möchten oder können, eine willkommene Alternative zum herkömmlichen Unterricht dar. Zudem besteht so die Möglichkeit, zunächst in Ruhe und im eigenen Tempo auszuprobieren, ob man auch wirklich Gefallen am Klavierspiel findet, bevor man sich dauerhaft an einen Lehrer bindet. Oberste Voraussetzung für den Erfolg dieser Lernmethode ohne den „Zwang“ des regelmäßigen Übens sind allerdings strenge Selbstdisziplin und hohe Eigenmotivation, die sicherlich eher Erwachsenen zu eigen sind.

 Zu Risiken und Nebenwirkungen …

Es ist wissenschaftlich erwiesen: Klavierspielen ist gesundheitsfördernd. Es schult nicht nur eine gerade Körperhaltung, die Koordination der Hände bzw. Beweglichkeit der Finger, sondern wirkt sich auch – wie Musizieren generell – positiv auf Geist und Seele aus. Regelmäßiges Klavierspiel trägt darüber hinaus zur Verbesserung der Gehirnaktivität des Menschen bei. Damit einher gehen ein besseres Gedächtnis sowie bessere Sprachfähigkeit, Schnelligkeit der Informationsverarbeitung, bessere Planungsfähigkeit und andere kognitive Fähigkeiten. Dass das Klavierspiel generell im Sitzen ausgeübt wird, dürfte für einige Senioren auch ein wichtiges Kriterium für die Wahl gerade dieses Instrumentes sein.

Das Instrument

Passt es in die Wohnung? Maße und Standort

Die Breite eines Klaviers beträgt üblicherweise zwischen 140 und 155 Zentimetern. Das Maß für die Tiefe liegt zwischen 50 und 70 Zentimetern. Im Idealfall sollte man das Klavier an eine Zimmerinnenwand, aber nicht in die Nähe von Fenstern, Außentüren oder Heizkörpern stellen. Auch direkte Sonneneinstrahlung sollte man tunlichst vermeiden. Ist eine Fußbodenheizung vorhanden, sollte die Unterseite des Klaviers mit einer Isofloor-Matte vor dem Austrocknen geschützt werden. Bei manchen Klavierfabrikaten erlischt bei vorhandener Fußbodenheizung der Garantieanspruch. Hierüber sollte man sich im Vorfeld gut informieren. Wenn das Klavier einmal seinen festen Platz in Ihren Räumlichkeiten gefunden hat, sollte dies auch nicht mehr bewegt, sondern als fest installiertes und zudem äußerst dekoratives Wohnungsinventar betrachtet werden.

Ein Flügel braucht dann gleich ein halbes Zimmer Platz …

Kein Leichtgewicht! Anlieferung, Transport und Umzug

Wie viel ein Klavier wiegt, hängt zum einen von der Größe des Instruments ab, zum anderen aber auch davon, wie massiv die Bauweise ist. Vor allem alte Instrumente sind oftmals schwerer als moderne Klaviere, da zu früheren Zeiten nicht an Material gespart wurde.

Kleinere Klaviere mit einer Bauhöhe von um die 110 Zentimeter sind ab 170 Kilogramm schwer, große Klaviere mit einer Höhe um 130 Zentimeter können hingegen bis zu 300 Kilo und mehr wiegen.

Die Frage nach dem Gewicht eines Klaviers ist vor allem dann relevant, wenn man sich ein Erstinstrument anschafft oder einen Umzug mit einem Klavier plant, das Instrument entsprechend von A nach B transportiert und dabei evtl. sogar in ein höher gelegenes Stockwerk befördert werden muss. Hier sind Aspekte der Statik ebenso zu berücksichtigen wie die Frage, ob ein Treppenhaus breit genug oder ein etwaiger Aufzug tragfähig genug für einen Klaviertransport ist.

So oder so: Es empfiehlt sich auf jeden Fall, ein auf Klaviertransporte spezialisiertes Unternehmen mit der Beförderung eines Klaviers zu beauftragen, da diese Fachfirmen über das notwendige Knowhow verfügen und die erforderliche Erfahrung (und Muskelkraft) mitbringen.

Transportable Alternativen

Mal eben so unter den Arm klemmen, in einen anderen Raum verpflanzen oder gar mit nach draußen nehmen kann man ein Klavier leider nicht. Für solche Zwecke ist es ratsam, sich ein transportables Keyboard zuzulegen, mit dem man, sofern es über einen guten Akku verfügt, im Fortgeschrittenenstadium sogar Straßenmusik bzw. Auftritte im Freien durchführen kann.

Für den Klavier-Anfänger stellt ein Keyboard jedoch keine Alternative dar, da es in der Regel über weniger als die standardmäßigen 88 Tasten eines normalen Klaviers und zudem über einen komplett anderen Anschlag verfügt. Anders sieht dies mit E-Pianos aus: Im Gegensatz zum Keyboard sind gerade qualitativ hochwertigere E-Pianos mit sogenannten gewichteten Tasten ausgestattet, die dynamisch – ähnlich wie beim Klavier – auf die Anschlagsintensität reagieren und vom Klang her dem echten Klavier am ehesten entsprechen. Zudem haben E-Pianos neben dem wesentlich niedrigeren Kostenfaktor und dem geringeren Gewicht gegenüber den meisten Klavieren natürlich den unschlagbaren Vorteil, dass man sie zu Übungszwecken auch mal auf stumm schalten, d.h. über Kopfhörer spielen kann. Das freut nicht nur die Nachbarschaft bzw. das unmittelbare häusliche Umfeld des Übenden, sondern auch den Übenden selbst, muss er sich doch damit nicht mehr minutiös an die vorgeschriebenen Ruhe- bzw. Übungszeiten halten. Es sei an dieser Stelle aber angemerkt, dass mittlerweile auch Klaviere einiger namhafter Marken über letztgenannte technische Option verfügen.

Kaufen oder mieten?

Entscheidet man sich dafür, das Klavierspiel auf einem „echten“ Klavier zu erlernen, so besteht die Möglichkeit, sich entweder ein vorher möglichst von einem Fachmann begutachtetes gebrauchtes oder aber ein neues Klavier anzuschaffen. Gerade für Spielanfänger jedoch, die sich noch nicht ganz sicher sind, ob das Klavier auf längere Sicht wirklich das richtige Instrument für sie ist, aber auch für all jene, die über einen nur begrenzten Finanzrahmen verfügen, ist es sicherlich ratsam, sich ein Neu-Klavier zunächst zu mieten. Hierbei zahlt man einen am Neupreis orientierten monatlichen Betrag. Entschließt man sich z.B. nach einem Jahr, das Klavier nun doch kaufen zu wollen, werden die bereits gezahlten Mietbeträge in der Regel mit dem Kaufpreis verrechnet.

Die Kosten

Die günstigsten Klaviere bekommt man heutzutage zwar schon knapp unter 1.500 €, aber wenn es der Geldbeutel zulässt, sollte man auf ein höherpreisiges Instrument zurückgreifen. Firmen wie Ibach, Kawai, Yamaha, Schimmel oder Bösendorfer beispielsweise verwenden ausschließlich hochwertige Materialien, die sich auf Dauer in Klang und Langlebigkeit auszeichnen, aber auch im Spielkomfort spürbar bemerkbar machen. Wer ca. 6.000 € für ein Klavier anlegt, wird sicherlich schon ein recht gutes Instrument sein eigen nennen können. Nach oben sind hier jedoch – wie immer – keine Grenzen gesetzt.

Von vornherein bei den Kosten einkalkulieren sollte man auch den Klavierstimmer. Denn es wird empfohlen, das Instrument mindestens einmal im Jahr durch einen Profi stimmen zu lassen. Am besten eignet sich dafür der Sommer, da in dieser Jahreszeit die Luftfeuchtigkeit am wenigsten schwankt. Die Kosten betragen hierfür durchschnittlich um die 100 € im Jahr.

Sollte die Wahl zunächst auf ein E-Piano fallen, empfiehlt es sich auch hier, von vornherein etwas mehr anzulegen. Gute Neu-Instrumente gibt es bereits ab ca. 700 € und entsprechen am ehesten den Spieltechniken und dem Klang eines echten Klaviers. Einen Vorteil gibt es hier: Gestimmt werden muss ein solches E-Piano nicht.

Annett Reischert-Bruckmann©musikschulwelt

 

Fotos von Colin Behrens, allegralchaple0 und PIRO4D auf Pixabay

  1 comment for “Instrumentenwahl: Klavier

  1. Hans
    27. September 2019 at 13:41

    Als Kind nahm ich Klavierunterricht, aber ich vergaß alles. Ich möchte den Klavierunterricht wieder aufnehmen. Ich liebe Musik und das Klavierspielen entspannt mich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte lösen Sie diese Aufgabe: * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.