Ratschläge zum Klavierkauf

Die Klavierpädagogin Simone Ludwig liefert praktische Tipps

Simone Ludwig

Simone Ludwig

Wenn man ein Instrument erlernen will, so muss selbstverständlich auch die Möglichkeit des Übens bestehens. Besonders die Wahl der Qualität des ersten Instrumentes kann über die Motivation des Schülers/der Schülerin von entscheidender Bedeutung sein. Das sollte man bitte immer bedenken!! Als Klavierlehrerin werde ich von neuen Schülern bzw. deren Eltern immer wieder gefragt, was sollen wir uns denn nun kaufen? Ist das 100 Jahre alte Klavier von Oma das Richtige, oder rät man eher zum E-Piano oder doch lieber zum Neuklavier? Sicherlich ist die Anschaffung eines Instrumentes immer auch eine Frage des finanziellen Handlungsspielraumes. Bei der Anschaffung eines Klavier gibt es folgende Dinge zu beachten:

Gebrauchtes Klavier:

Wenn das Piano über Jahre hinweg immer regelmässig gestimmt worden ist und in gleichmässigen klimatischen Räumlichkeiten stand (nicht in der Garage etc!!!), so ist diese Anschaffung eine gute Wahl. Insbesondere bei namhaften Klavieren wie z.B. Ibach, Kawai, Schimmel etc… ist ein „Alter“ von z.B. 50 Jahren eigentlich noch kein Alter!

Bei Klavieren ab einem Alter von ca. 90/100 Jahren sollte man jedoch per Klavierstimmer abklären lassen, ob das Instrument z.B. die Stimmung noch hält, oder ob die Töne nach 1 Woche wieder völlig verstimmt sind. Das kann nämlich passieren, muss aber nicht. Auch sollte man stets einen Blick in das Klavier werfen und nachschauen, ob sich nicht etwa Motten an den Filzbelägen tummeln (alles schon vorgekommen!) Also nicht von der manchal so anmutigen äußeren Eleganz eines alten Instrumentes täuschen lassen. Wenn es Ebay sein muss, so immer einen Besichtigungstermin vor dem Gebot vereinbaren! Trotz allem kann auch ein sehr altes Klavier über einen wunderschönen Klang verfügen. Daher: Vor Kauf immer auch darauf spielen, oder vorspielen lassen.

E-Piano:

Auch hier gibt es natürlich Qualitätsunterschiede. Wer an dieser Stelle ein E-Piano kaufen möchte, weil man es auch stumm schalten kann (über Kopfhörer spielen), dem sei gesagt, dass es namhafte Klaviere gibt (keine E-Pianos!) wo diese Technik bereits ebenfalls eingebaut ist! Wer das Argument des Platzsparens anbringt, der sollte wissen, dass sich an der benötigten Platzbreite nicht viel ändern wird, da es nun mal immer 88 Tasten sind. Viele sagen: Ein E-Piano muss nie gestimmt werden. Das ist richtig, jedoch handelt es sich hier um Elektrotechnik, die natürlich auch irgendwann einmal versagen kann.

Ich werde auch des öfteren gefragt, ob ein Keybord nicht das Gleiche wäre und es für den Beginn genügen würde. Hier gibt es ein klares ‚Nein‘! Ein E-Piano hat im Gegensatz zu einem Keybord gewichtete Tasten. Das bedeutet, der Anschlag ist ein ganz anderer und reagiert dynamisch auf die Anschlagsintensität. Das Spielgefühl ist auch nicht mit dem eines Keybords zu vergleichen. In der Regel hat ein Keybord auch nicht die benötigten 88 Tasten (nur Masterkeybords).

Wenn man sich für ein E-Piano entscheidet, dann empfehle ich auch hier ein namhaftes zu kaufen (hier gibt es auch schon gute Neu-Instrumente ab ca. 700€/800€!), da hier die Spieltechniken und der Klang am ehesten den eines echten Klavieres entsprechen. Ebenso gibt es hier einen nicht zu großen Preisverfall, falls man es doch nach ein paar Jahren wieder verkaufen möchte.

Neu-Klavier:

Wenn es tatsächlich ein neues Klavier sein soll, so kauft man (wenn es der Geldbeutel erlaubt) am besten direkt ein namhaftes, da hier, wie eben schon einmal gesagt, der Preisverfall sehr gering ist. Ebenso werden bei Ibach, Kawai, Yamaha, Schimmel, Bösendorfer und Co…. nur sehr hochwertige Materialien verwendet, die sich in Klang und Langlebigkeit auszeichnen.

Neu-Klaviere kann man auch mieten und man zahlt einen monatlichen Betrag, der sich am Neupreis orientiert. Wenn man sich entschließt es nach 1 Jahr kaufen zu wollen, so wird in der Regel die Miete damit verrechnet! Ein Neu-Klavier im Werte von ca. 1500€ ist zwar verlockend, aber bekommt evtl. schon nach ein paar Jahren die ersten „Kinderkrankheiten“. Dies kann sein, muss aber nicht! Evtl. muss man diese öfters stimmen lassen.

Meiner Meinung nach muss es zu Beginn nicht direkt ein neues Klavier sein. Ein gutes E-Piano oder eben ein gutes Gebrauchtes sind wirklich ausreichend und die ersten Jahre/Jahrzehnte sind gesichert.

Simone Ludwig, Jahrgang 1974, hat eine Ausbildung in Musiktheorie, Harmonielehre und Gehörbildung absolviert und ist staatlich anerkannte Erzieherin. Seit 1997 unterrichtet sie Klavier und Blockflöte. Sie ist zudem Begleitpianistin der Kölner Sängerin und Schauspielerin Alice Eßer. Zur Website.

musikschulwelt dankt ihr für diesen Gastbeitrag.

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  5 comments for “Ratschläge zum Klavierkauf

  1. Alex93i
    12. Oktober 2016 at 17:24

    Ein Sehr schöner Beitrag. Ich finde die E-Pianos werden aber etwas runter gemacht . :/ habe selbst eins vor kurzem geholt. Ja von der Größe her stimmt das schon ändert sich nicht viel, aber trotzdem ist das ding leichter. Ich brauche meins des öfteren um es irgendwohin zu nehmen. Da ist es schon praktischer als ein Klavier . ich spiele auch gern mal nicht nur im Wohnzimmer, manchmal im Schlafzimmer sogar auf dem Balkon hab ich das einmal gebracht 😀 und vom dem Klang her finde ich ist da garkein unterschied. Hatte lange auch überlegt aber dann als ich auf einer seite gewesen bin und mal so die modelle angesehen habe fand ich das garnicht so verkehrt.

  2. 5. September 2016 at 09:38

    Ich finde diesen Artikel sehr lesenswert, danke. Ich überlege mit dem Klavier spielen anzufangen und bin mir nicht so sicher, ob ich ein neues oder doch lieber ein gebrauchtes kaufen sollte. Hat da jemand gute Vorschläge mit einer guten Argumentation. Es war schon immer mein Traum Klavier spielen zu können.

  3. 3. Juni 2016 at 08:44

    Hallo,

    ein sehr interessanter Beitrag mit wertvollen Tipps!

    Ich möchte dazu noch anmerken, dass auch das Ausleihen eines Instrumentes für die erste Zeit eine ziemlich gute Lösung darstellen kann. Das hat eine Bekannte von mir gemacht, bis sie ein gutes gebrauchtes Klavier erstehen konnte.

    Viele Grüße
    Kathleen

  4. 3. April 2015 at 11:00

    Hallo!
    Ein sehr guter Artikel!
    Ich habe selbst eine Seite, auf der ich mich mit dem Thema „Klavier kaufen“ beschäftige. Beispielsweise habe ich dort in intensiv beschrieben worauf man genau achten sollte, wenn man ein gebrauchtes Klavier kaufen möchte. Im besonderen gehe ich auch auf den Problemfall eBay ein. Meine Leser haben mir nämlich schon öfters geschrieben, dass sie dort ein Schnäppchen gemacht haben. Hinterher hat sich aber herausgestellt, dass das Piano völlig überarbeitet werden musste, oder dass es sich sehr schnell verstimmt.

    Meine Seite ist vielleicht auch für ihre Schüler interessant, da ich dort auch regelmäßig hochwertige gebrauchte Angebote von Fachhändlern vorstelle.

    Viele Grüße
    Brian

  5. Jose Mosquera
    26. März 2015 at 08:02

    hallo, mein name ist Jose, aus Lima-Peru.. Vielen Dank fuer die Ratschlaege..es hat mir viel geholfen. Ich habe ein Yamaha und ein Kawai gesehen… ( gebrauchtes) Ich habe mich immer noch nicht etschieden was ich Kauffe… es gibt auch ein Brandes ( Hamburg) noch billiger.. was sollte ich Kaufen?

    Also, das waere fuer meinem Sohn und fuer mich.. ( Ich Spiele Horn Profi und Dirigiere das Simphoniesches Polizeiorchester..) Ich habe ein E-piano Casio, aber ich finde es ist nicht so das richtige.. Ich hoffe Sie koenne mir noch ein bisschen weiter helfen..

    Danke Schoen.. Jose

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