Wir kaufen das erste Cello – ein Erfahrungsbericht

Nach vier Jahren Unterricht ist es endlich so weit: Unsere 13-jährige Tochter ist jetzt groß genug für ein 4/4-Cello. Und es war ihr versprochen, dass sie ein eigenes Instrument bekommt. Einfach so – als Motivation. Für die Eltern – selbst keine Musiker – beginnt eine Reise in eine völlig neue Konsumwelt: Wo kauft man ein Cello und was ist hier zu beachten?

Es liegt nahe, dass wir erst einmal die Instrumentallehrerin fragen, und hören: »Ein Cello kauft man beim Geigenbauer.« Aber bei welchem? Sie kennt sich leider nicht so gut aus in unserer Stadt, wüsste nur jemand an ihrem Studienort. Und welche Preisklasse für unsere Tochter angemessen ist? Da will sie sich nicht wirklich festlegen, das hinge ja immer vom Geldbeutel ab. Trotzdem eine Hausnummer: ab 2000 Euro aufwärts. Der Bogen muss noch einmal extra gerechnet werden. Und eine »Transporthülle« braucht das Instrument freilich auch.

Schnäppchen oder Wertanlage?

Wir sprechen mit anderen Eltern. Die meisten der Cellisten aus dem Schulorchester behalten erst einmal ihr Leihinstrument. Deren Eltern planen, später ein »wirklich gutes« Instrument zu holen. Oder sie warten erst einmal ab, ob die Kids in der Pubertät möglicherweise die Lust am Üben ganz verlieren. Nur bei den »Jugend musiziert«-Teilnehmern finden sich eigene und offensichtlich teure Instrumente, die in Koffern herumgeschleppt werden, welche allein schon hunderte von Euro verschlungen haben. Wir erfahren von aufopferungsfreudigen Großeltern, die für die musizierenden Enkel zusammenlegen, während andere Eltern ganz cool eine Violine als Wertanlage gekauft haben: »Allein der Bogen ist 1000 Euro wert.« Ich stelle mir unsere Tochter vor, wie sie ihr Cello als wandelndes Wertdepot durch die Stadt bugsiert, und das erscheint mir nicht gerade als sichere Bank …

Ich begebe mich in die Internet-Welt, um mich schlau(er) zu machen. Bei Streichinstrumenten haben wir die Wahl zwischen neuen und alten, unverständlich billigen und ebenso nicht nachvollziehbar teuren Angeboten. Zwischen Cremona und Mittenwald auf der einen sowie China auf der anderen Seite tut sich eine ziemliche Kluft auf. In einschlägigen Streicher- oder Celloforen warnt man gleichzeitig vor Billigimporten wie aber auch vor überteuerten Instrumenten vom Geigenbauer. Ich will mich über beides informieren.

Überall Fernost?

Bei eBay sehe ich ein »hochwertiges massives Cello« der »B-Klasse« für 799 Euro mit kostenlosem Versand. Die Provenienz wird nicht verraten, aber es heißt dort: »Jedes Cello wird von unserem Geigenbauer in unserer Hamburger Werkstatt geprüft und sorgfältig spielfertig gemacht.« Also muss es ja wohl Fernost-Import sein. Dann gerate ich an eine Firma namens »mezzo forte«, die ein Fortgeschrittenen-Cello für gerade einmal 975 Euro anbietet: »David Lien fertigt Violinen und Celli in Cremoneser Tradition, aus besten Tonhölzern und mit viel Sorgfalt. Die Instrumente sind nach allen Regeln der Geigenbaukunst gearbeitet (…) Selbstverständlich sind die verwendeten Hölzer langjährig abgelagert und keineswegs ‚zwangsgetrocknet‘ …«. Das klingt nicht schlecht, selbst wenn David Lien, wie sich herausstellt, freilich auch in China sitzt. Und bei »mezzo forte« argumentiert man weiter: »Wir treten NICHT in Konkurrenz zu Ihrem örtlichen Geigenbauer, sondern decken durch unsere Direktimporte einen Preissektor ab, der in der Regel vom Geigenbauer nicht angeboten wird (übrigens zählen auch viele Geigenbauer zu unseren Kunden).«

Importware muss also vielleicht nicht zwingend schlecht sein. Man hat sich in anderen Bereichen ja auch schon damit abgefunden, dass unsere Konsumgüter längst nicht mehr »Made in Germany« sind, und dies gilt auch für angeblich renommierte Marken. Aber ein Cello im Internet kaufen? Weder Jacke noch Hose kaufe ich dort. Alles, was sitzen und passen muss, womit man sich wohlfühlen will, muss auch befühlt und in diesem Fall vor allem gehört werden. Schnell verabschiede ich mich von der verlockenden Idee des sagenhaft günstigen Cellos per Versandpaket. Es leuchtet mir ein: Meine Tochter muss vergleichen können, eine Auswahl vor sich haben.

Wir fahren zum Musikalienhändler – dem größten vor Ort (und der ist nicht klein, weder der Ort noch der Laden). Eine leider ernüchternde Erfahrung. Es zeigt sich, dass wir hier nur ein einziges Cello in der gewünschten Preisklasse vorfinden. Ein Cello-Set der »Qualitätsmarke« GEWA für knapp 1700 Euro mit Bogen und Tasche. Unsere Tochter spielt es Probe und muss feststellen, dass im Vergleich sogar ihr Leihinstrument besser klingt und eine Neuanschaffung keinen Sinn machen würde. GEWA lässt das Set in China fertigen. Die dazugehörige Tasche erweist sich als nur sehr schwach gepolstert und ihr Anblick löst Besorgnis aus. Für das nächstbessere Instrument soll man im Musikfachgeschäft dann bereits 3500 Euro berappen – ohne Bogen und ohne Hülle, versteht sich. Es kommt auch von GEWA, nun immerhin aus Tschechien. Jedoch – selbst wenn wir so viel investieren wollten – das Instrument überzeugt nicht.

Vertrauen und Zeit

Bleibt also nur, die »Schwellenangst« vor dem Geigenbauer zu überwinden … Wie finde ich aber nun einen in der Nähe, bei dem ich auch eine Auswahl an Schülercelli finde und nicht nur »Meisterinstrumente«? Und der dazu noch vertrauenswürdig ist und uns nicht vielleicht doch ein Fernost-Cello zum Apothekenpreis verkauft … Wieder sind es Eltern und ein Internet-Forum, die mir einige Hinweise liefern. Allerdings, liebe Geigenbauer, muss ich Euch sagen: Ihr gebt Euch doch ganz schön verschlossen und elitär, wenn man so durch Eure Internet-Auftritte surft. Gewiss habt Ihr überwiegend andere Zielgruppen im Visier: Profis, Virtuosen, Sammler, Liebhaber. Aber »auch die Großen haben mal klein angefangen« – und Ihr solltet doch auch den Nachwuchs besser mit ansprechen.

Ich sende einige Anfragen hinaus mit den Eckdaten zu unserem gewünschten Produkt … und erhalte auch einige interessierte Antworten. Wir machen einen Termin und fahren mit unserer Tochter zu einem  »Traditionsbetrieb«, wo man uns vier Celli in der gewünschten Preisklasse zum Probespiel bereitgelegt hat. Unsere Tochter darf in aller Ruhe spielen und probieren. Zwei der Instrumente kommen in die engere Wahl und wir können sie ein paar Tage mit nach Hause nehmen, zum Dauertest sozusagen – und das ohne große Formalitäten. Ein Cello aus der Hand des Geigenbau-Meisters gibt es auf unserem Preisniveau natürlich nicht. Also können wir uns zwischen einem rund 50 Jahre alten, in Deutschland gebauten Cello entscheiden, das im Korpus etwas ramponiert aussieht, und zwischen einem neuen, aus Rumänien stammenden Instrument. Wir erfahren, dass wir jedes beim Geigenbauer gekaufte Instrument jederzeit »upgraden« können, was bedeutet: Beim Kauf eines besseren Instruments wird der vollen Preis des bisherigen wieder verrechnet. Das ist nun allerdings attraktiv. Und wir haben auch den Eindruck, dass wir ansonsten gut beraten werden.

Einige Tage lang hören wir täglich Töne und Stücke auf den verschiedenen Celli und es klärt sich – auch für uns »Laien« –, welches der Instrumente im Klang den höchsten Gefallen findet. Und unsere Tochter spricht inzwischen auch bereits von »ihrem« Cello: Sie hat das rumänische ins Herz geschlossen. Diese Wahl gilt es nun noch von der Instrumentallehrerin absegnen zu lassen. Jetzt erfahren wir zudem noch, dass jedes Instrument mit besseren Saiten klanglich verändert bzw. weiter aufgewertet werden kann. Bei »unserem« Cello wäre insbesondere die tiefe C-Saite hier noch einmal eine Investition wert. Zu unserer Erleichterung ist die Instrumentallehrerin aber insgesamt angetan und findet auch den Preis des Instruments angemessen. Ansonsten hätten wir wohl die ganze Prozedur bei Geigenbauer Nr. 2 durchlaufen müssen …

Problem für begrenzte Budgets

Aber noch sind wir nicht fertig: Jetzt ist noch ein weiterer Schritt zu tun. Nicht nur beim Cello gibt es die Qual der Wahl, auch der richtige Bogen dazu will gefunden werden. Also zweiter Besuch beim Geigenbauer: Er gibt uns drei Bögen verschiedener Preisstufen mit, die nun wiederum beim Üben und im Cellounterricht erprobt werden müssen. Der günstigste erweist sich als zu schwer und nicht handlich, der teuerste macht eher zu viel »Volumen«. Bleibt einer übrig, der nun so zum Cello und zur Tochter passt, dass alle zufrieden sind.

Dritter Besuch beim Geigenbauer: Cello, Bogen, Tasche – nun haben wir unser Budget doch ziemlich überschritten. Wer hier ein definitives Limit hat, der muss dann wohl bei der Auswahl noch mehr Kompromisse eingehen. Aber immerhin: Als »Neukunden« erhalten wir einen etwas günstigeren »Sonderpreis« und sparen in der Summe rund 5 Prozent. Wir wissen aber, was für ein Instrument wir gekauft haben. Und es besteht die berechtigte Hoffnung, dass es seinen Wert nicht verlieren wird – so die Tochter darauf aufpasst …

Autor: Saphir

 

  10 comments for “Wir kaufen das erste Cello – ein Erfahrungsbericht

  1. Rüdiger Liebermann
    6. Januar 2019 at 10:58

    Guten Tag

    Ich bin tatsächlich nur durch Zufall auf diese Seite gestoßen, doch habe ich das Gefühl, dass ich zu dieser Diskussion etwas beisteuern muss.

    Ich selbst bin seit vielen Jahren Orchestermusiker, meine Geige ist ca. 25.000€ Wert, sie wurde mir von meiner Mutter, die selbst viele Jahre auf ihr gespielt hat schon als Kind geschenkt. Geigen sollten keinesfalls online gekauft werden, da Händler diese oft maschinell in China oder Pakistan herstellen, ihre Mitarbeiter gleich den Zuständen in einer Nähfabrik bezahlen und weil die Geigen einfach schlecht klingen.

    Ein Anfängerchello bzw. Anfängergeige sollte man zuerst leihen, in vielen Grundschulen gibt es diese Möglichkeit oder sie kann, wenn sich die Absicht, dass Instrument weiter zu erlernen, für ca. 1500-3000€ gekauft werden.

    Wenn man dann irgendwann ein gutes Chello/ Geige kaufen möchte, so ist dieses, also ein wirklich professionelles Instrument, in etwa ab 20.000€ zu erstehen. Ich kann weder das Misstrauen gegenüber Geigenbauern nachvollziehen, noch viel weniger jedoch die Abneigung gegenüber ausländischen oder „gebrauchten“ Geigen. Eine Stradivari stammt auch aus Italien und ist höchstwahrscheinlich mich gebraucht. Tatsächlich sind alte Geigen deutlich mehr zu empfehlen als neue.

    Ich hoffe, dass ihnen dieser Beitag ein wenig weitergeholfen hat, erkundigen Sie sich am besten bei dem Geigenbauer des Vertrauens des Geigenlehrers.

    Mit freundlichsten Grüßen

    Rüdiger Liebermann

    • Gabriele
      8. September 2019 at 11:41

      Hallo
      Ich suche ein Cello,
      ,
      Was können sie empfehlen.

  2. bettina
    26. August 2015 at 18:45

    Hätte da auch noch einen Tipp: falls man ein gebrauchtes Cello kaufen will ( die neuen müssen EINGESPIELT werden): ruhig mal in der nahegelegenen Musikschule aufs Schwarze Brett schauen. Wovon ich auch abrate ist privat ein gebrauchtes Cello zu kaufen, ohne es einem Geigenbauer gezeigt zu haben. Der kann einem nämlich sagen, ob das Instrument das Geld wert ist bzw ob etwas repariert werden sollte. Die Saiten, die Art des Saitenhalter oder einfach ein Stimmstock, der nicht gut positioniert ist können sehr viel am Klang ausmachen!
    Wieso ich so gscheit daherreden kann? Na weil ich selbst über den Tisch gezogen worden bin, aber nachdem ich einen anderen Bogen gekauft hab, neue Saiten aufgezogen hab und der Geigenbauer meines Vertrauens den Stimmstock versetzt hatte, klingt es endlich so, wie ich mir das vorgestellt hab. Um DAS Geld hätte ich aber gleich ein wirklich gutes vom Geigenbauer haben können. Noch ein Tipp: gleich einen leichten Cellokoffer kaufen statt frustriert in der Gegend herumzuschlurfen!

    • ulrich
      13. September 2015 at 11:52

      Das Gelesene erinnert mich daran, dass auch von mir diese Entscheidung zu treffen war. Zum Glück habe ich eine kompetente Cellolehrerin, die mir Hinweise gab. Im weiteren gab es 3 Geigenbauer in der Stadt. Internetangebote waren mir zu unsicher, da ich ein höherwertiges Instrument erwerben wollte. Ein Geigenbauer gab mir in einem Set 5 Cellobögen mit mit unterschiedlichen Preisen. Nun – ich besitze nach Prüfung des besten Bogens ein kanadisches Cello mit Konzertton. Dieses läßt sich leicht spielen und der warme Klang überzeugt Dritte.

  3. Christine Zaremba
    18. Oktober 2014 at 10:01

    Danke für diesen Bericht. Auch ich bin auf der Suche nach einem Cello. Über einen Hinweis, bei welchem Geigenbauer Sie das Cello erworben haben, würde ich mich sehr freuen.

  4. Christoph Nestor
    9. Oktober 2014 at 15:30

    Jetzt würde ich gerne wissen, wieviel Sie für Cello, Bogen und Hülle ausgegeben haben, da ich gerade in derselben Phase (Instrument zur Probe mit) bin.

  5. Sebastian Schulz
    24. August 2014 at 10:35

    Auch ich bin auf der Suche nach einem schönen Cello, können Sie mir mitteilen, welches Cello von welchem Geigenbauer Sie für Ihre Tochter erworben haben. Herzlichen Dank!

    • Joergwerner Haas
      23. Oktober 2014 at 17:55

      Hallo, falls immer noch Interesse an einem 4/4 Cello vom Geigenbauer (in diesem Fall aus Erlangen) besteht, kann man es gerne in Frankfurt besichtigen und ausprobieren. Ich habe vor Jahren für meinen Sohn erst 1/4, dann 1/2 und dann das 4/4 Cello beim Geigenbauer bauen lassen. Die Empfehlung bekam ich von meinem Schwager, der wie meine Schwester Orchestermusiker in Heidelberg ist. Das halbe und das ganze Cello sind Beide sind noch zu haben (komplett mit Bogen und Softhülle. Einfach unter joergwerner.haas@gmail.com melden.

  6. Andreas Eickholt
    23. März 2014 at 13:06

    Ein sehr schöner Bericht, der wirklich aus dem Leben kommt. Sehr vielen werden diese Ratschläge helfen, sich richtig zu orientieren. Ich wünsche Ihnen und vor Allem Ihrer Tochter sehr viel Freude an dem gemeinsam „erkämpften“ neuen Familienmitglied aus Rumänien.

    • 2. Dezember 2014 at 13:25

      Erschreckend 🙂 habe ich Ihre Seite entdeckt und musste leider lesen, wie wenig Vertrauen in deutsche Geigenbauer gesetzt wird!
      In meiner Werkstatt fertige und repariere ich Violien, Violen und Celli! Ein deutsches Cello gibt´s bereits ab 1300 € (in. 2.Wahl mit kl. Lackfehler z.B.) genauso günstig (ab ca. 400€) erhällt man Geigen oder Bratschen! Hier sind KEINE ausländischen Teile Verwendet!
      Liebe Musiker/innen, oder angehende Musiker/innen: Bitte scheut nicht den Weg oder den Anruf beim Geigenbauer! Der hilft bestimmt und klärt z.B. auch über die Teils schadstoffhaltigen Lacke der asiatischen Instrumente auf! Liebe Grüße Walter Mahr, Geigenbaumeister 😉

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