Einer für die Zukunft: Peter Dörpinghaus, Trompete

Foto: Alexia Lüers

musikschulwelt  porträtiert hochtalentierte junge Nachwuchsmusiker

Sie haben das Musizieren für sich entdeckt und sind davon so gefesselt, dass sie sich nun auf das Abenteuer des Musikstudiums eingelassen haben. Vor Kurzem saßen sie noch neben Dir in der Klasse, Du bist ihnen auf den Gängen der Musikschule begegnet oder sie wohnten vielleicht gleich nebenan. Der Spaß an ihrem Instrument und ein besonderes Talent treiben sie nun auch auf ihrem beruflichen Weg an …

Im Herzen der Bergischen Landes großgeworden, hat Peter Dörpinghaus mit seiner Trompete schon früh bei  örtlichen Brauchtumsveranstaltungen praktische Erfahrungen sammeln können – und sich dabei eine sympathische Offenheit gegenüber allen Stilen angeeignet. Das ehemalige Mitglied des Bundesjugendorchesters studiert heute in Hannnover Trompete und ist zudem Mitglied der Orchesterakademie bei den Bamberger Symphonikern. Der Beginn einer Orchestermusikerkarriere? Nicht ausgeschlossen …

musikschulwelt: Wann erwachte bei Ihnen das Interesse am Musizieren?

Mein Vater spielte (und spielt noch) im städtischen Musikverein in Wipperfürth, und da war ich immer und überall mit dabei. Irgendwann muss ich wohl gesagt haben, dass ich Trompete spielen möchte. Mit vier Jahren (1994) erhielt ich dann meinen ersten Trompeten- und Klavierunterricht.

musikschulwelt: Gleich mit zwei Instrumenten in jungem Alter zu beginnen – hat sich das bewährt?

Als ich in die Schule kam, wurde das alles ein bisschen viel, und von da an nahm ich nur noch Trompetenunterricht. Klavier habe ich aber immer ganz zwanglos für mich selber weitergespielt. Ich finde es wichtig, dieses Instrument einigermaßen zu beherrschen, um das harmonische Gehör zu trainieren und sich besser in die Musiktheorie hineindenken zu können.

musikschulwelt: Wo sammelten Sie denn Ihre ersten Auftrittserfahrungen?

Schon nach kurzer Zeit spielte ich bei diversen Prozessionen, Karnevals- oder Sankt-Martins-Umzügen mit. Diese Möglichkeiten verdanke ich meinem Vater und meinem erstem Trompetenlehrer Mathias Wagemann. Mit etwa sechs Jahren habe ich dann bereits im Jugendorchester der Musikschule Wipperfürth mitwirken dürfen, das mein damaliger Trompetenlehrer leitete.

musikschulwelt: Und wie haben die Schulkameraden auf Ihr Hobby reagiert?

Einige meiner Mitschüler haben es natürlich enorm lustig gefunden, dass jemand Trompete bläst und z.B. gerne in eine Blaskapellenprobe geht. Doch gab es auch immer Anerkennung für meine Erfolge. Die besten Freunde haben mich unterstützt. Und die wenig besseren haben, spätestens als sie merkten, dass man damit auch schon als Jugendlicher Geld verdienen 😉 kann, den Spott eingestellt.

musikschulwelt: Ihre Biografie weist bereits in den ersten Jahren einige Lehrerwechsel auf. Würden Sie das einem Musikschüler grundsätzlich empfehlen wollen?

Lehrerwechsel sind keine Notwendigkeit. Unabhängig von meinem Werdegang ist es aber so, dass man nach einigen Jahren in einen Trott verfällt. Denn ein Lehrer benutzt naturgemäß immer wieder dieselben Vergleiche oder Umschreibungen – und sein Schüler überhört dann irgendwann die eigentliche Intention dahinter. Grundsätzlich sollte man sich einen Lehrer aussuchen, mit dem man gut klarkommt, und dessen Weg sozusagen zu Ende gehen. Doch es hilft auch, wenn man sich immer wieder Ratschläge, Ideen und Tipps von anderen Menschen abholt.

Die Blechbläser-Mentalität ist offen und herzlich

Mit »De Pröbbelsköpp« spielt er ebenso Blasmusik vom Feinsten …

musikschulwelt: Was macht für Sie den besonderen Reiz der Trompete aus?

Man kann wirklich nahezu alles 🙂 auf ihr spielen kann. Sie nimmt eine wichtige Rolle in der E-Musik, also der sog. Klassik, oder auch im Jazz, aber auch im U-Bereich wie bei der Volksmusik. Zudem mag ich die Mentalität der Blechbläser – und meine Erfahrung zeigt mir, dass diese Menschen meist sehr offen und herzlich sind. Außerdem hat man als Trompeter die Möglichkeit, diverse Instrumentenvarianten zu spielen: Trompeten verschiedenster Stimmungen und Bauarten, Flügelhörner, Piccolotrompeten etc.

 

musikschulwelt: Wie viel Zeit haben Sie als Teenager auf das Üben verwendet – und wie sieht das heute im Studium aus?

Ich war immer schon wahnsinnig faul. Und natürlich hat man als Jugendlicher viel bessere Dinge zu tun als zu üben. Ich hab also immer deutlich weniger geübt, als mir alle geraten haben. Heute ist das Üben interessant: Umso mehr man von einer Sache erfährt und sich mit ihr auseinandersetzt, desto größer wird das Verlangen, noch mehr zu können und zu wissen. Und es macht einfach Spaß, sich damit zu beschäftigen und sich neuen Herausforderungen zu stellen, neue Dinge auszuprobieren und vieles mehr.

Ohne Ziele verliert man schneller die Lust

musikschulwelt: Sind für Sie Wettbewerbe im jugendlichen Alter eher Fluch oder Segen?

Wettbewerbe sind eine großartige Möglichkeit, um sein Repertoire zu erweitern. Zudem stecken sie immer wieder ein neues Ziel, auf das man hinarbeiten kann – und ohne Ziele verliert man schneller die Lust am Üben. Zudem bekommt man Routine in der Aufführungssituation und lernt an seiner Bühnenpräsenz zu arbeiten. Wer sich aber nicht fit genug für einen Wettbewerb fühlt (wobei man das eigene Potenzial keinesfalls unterschätzen sollte), tut gut daran, einen solchen zu meiden. Auch Wettbewerbe mit zu hohem Niveau können nach hinten losgehen. Generell halte ich es aber für sehr wichtig, dass man sich nach Auftritten oder Vorspielen gut fühlt, denn nur mit Erfolgserlebnissen bzw. positiven Erinnerungen an Vorspiele erhalten sich Spaß und Motivation.

musikschulwelt: Welche Bedeutung hat für Sie im Rückblick Ihre Zeit im Bundesjugendorchester?

Durch das BJO durfte ich wunderschöne Momente erleben. Die Erfahrungen, die man dort in noch so jungen Jahren machen kann, sind einmalig. Und abgesehen von dem Repertoire, den großen Dirigenten und Solisten, den erlebnisreichen Tourneen begegnet man dort Menschen und findet Freunde im gleichen Alter, die einen verstehen und das gleiche »seltsame« Hobby teilen, die also auch viel Zeit in etwas investieren, was nicht jeder versteht.
Die Gründung meines Quintetts fiel eben in diese Zeit – und die meisten meiner besten Freunde habe ich dort kennen gelernt. Und da sie überall in Deutschland verteilt wohnen, hat man so in fast jeder Stadt nun eine Übernachtungsmöglichkeit.  (-:

… wie mit »Salaputia Brass« – und Vergnügen ist bei Musikern und Zuhörern hier wie dort garantiert.

musikschulwelt: Sie haben also als Jugendlicher bereits ein eigenes Ensemble mit einem etwas kryptischen Namen gegründet. Was darf man sich darunter vorstellen?

Das Blechbläserquintett »Salaputia Brass« besteht seit fünf Jahren. Zu unserer Namensgebung muss man erwähnen, dass ich ein durchgehend schlechter Latein-Schüler war. Mein persönlicher Zeitvertreib in den Schulstunden bestand darin, den »Stowasser« (jenes berüchtigte lateinisch-deutsche Wörterbuch) nach lustigen Wörtern zu durchforsten. Dabei stellte ich fest, dass die Römer tatsächlich ein wenig spinnen: »salaputuum« bzw. »salaputium« ist im Lateinischen der Zwerg bzw. ein »geiler Knirps«. So stand es im Wörterbuch – und das habe ich bei Gelegenheit meinen vier Freunden des Ensembles erzählt … und die haben sich auch schlappgelacht. 😀 Unser Vorhaben besteht jetzt darin, dass wir auch noch (oder wieder) im hohen Alter zusammen Musik machen … und immer noch die »geilen Knirpse« sind.

Man sollte einen eisernen Willen haben

musikschulwelt: Welche charakterlichen Voraussetzungen sollte man aus Ihrer Sicht mitbringen, um ein Musikstudium zu beginnen … und auch durchzuhalten?

Man sollte einen eisernen Willen haben. Ich denke, das ist die wichtigste Voraussetzung. Wer sich nicht absolut sicher ist, diesen Beruf ausüben zu wollen, wird es schwer haben – mit anderen und mit sich, da man auch immer mal wieder von Selbstzweifeln geplagt wird. Vieles kann und muss man auch lernen, beispielsweise geduldig mit sich zu sein. Aber natürlich muss man eine gewisse Grundmusikalität besitzen. Ich glaube zwar, dass man Musikalität lernen kann, doch gibt es hier Grenzen des Gehörs und der inneren Ausdrucksstärke.

musikschulwelt: Haben Sie ein trompeterisches Vorbild?

Nicht wirklich, denn ich bezweifle, dass ein einzelner Trompeter in allem so gut ist wie nur möglich. Bei jedem liegen die Stärken woanders, und daher kann man bei jedem etwas für sich entdecken. Mein Professor Jeroen Berwaerts z.B. spielt auf eine Art und Weise Trompete, dass man manchmal vergisst, dass er hierfür ein Instrument bzw. ein Werkzeug benötigt – es ist so intim und doch zugleich mit einem unfassbarem Ausdruck durchtränkt. Dann gibt es aber auch viele andere Stars wie Reinhold Friedrich oder Giuliano Sommerhader. Aber auch hier gilt wieder: Wer viel bei anderen zuhört, lernt viel bei anderen.

musikschulwelt: Welche musikalische Richtung möchten Sie nach Ihrem Studium einschlagen?

Ganz klar ist die Klassik mein großes Ziel. Ich möchte primär im Orchester als Trompeter aktiv sein. Aber das Wunderbare an unserem Beruf sind eben die vielen weiteren Optionen: Man kann sich auf alte oder neue Musik spezialisieren, nebenher im Ensemble spielen, unterrichten oder als Solist konzertieren. Und dann bieten die U-Musik oder auch einige Jazzrichtungen noch reizvolle Alternativen. Das spiegeln übrigens auch unsere Quintettprogramme wider: zuerst Bearbeitungen von älterer Musik und Originalliteratur aus Romantik bis Moderne, im zweiten Teil dann viel U-Musik verschiedener Stilrichtungen.

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