Mehr als nur originelles Bonus-Material auf Nino Gvetadzes neuer CD »Widmung«
Warum sollte nicht, was in der Popmusik seit Jahren gang und gäbe ist, auch in der Klassik zu nachhaltiger Aufmerksamkeit führen? So hat sich die junge georgische Pianistin Nino Gvetadze auf ihrer neuen Solo-CD eine wirklich originelle Zugabe ausgedacht: eine Interpretation des Schubert-Liedes »Gretchen am Spinnrade« in der Bearbeitung von Franz Liszt als rund fünfminütiger Animationsfilm aus Strichzeichnungen des Künstlers Graham Johnston (kostenlos anzusehen auch unter www.gretchenamspinnrade.com).
Darüber hinaus erklingen von dem romantischen Tastenzauberer Liszt auf diesem Album noch drei weitere Werke, darunter auch die legendäre h-Moll-Sonate, mit der Gvetadze bereits bei ihren Live-Auftritten in Deutschland 2008 und 2010 für Furore gesorgt hatte.
Mit ihrem letztjährigen Gewinn des Borletti-Buitoni Trist Award bekam die 1981 in Tblisi geborene Georgierin die Möglichkeit, ein Wunschprojekt zu produzieren – und »Widmung« ist das beeindruckende Resultat. Nicht zufällig dominiert dabei das Werk Franz Liszts, hat sie doch schon 2008 neben dem zweiten auch den Presse- und Publikumspreis beim Internationalen Franz Liszt Klavierwettbewerb in Utrecht gewonnen. Bereits seit ihrem sechsten Lebensjahr tritt sie als Solistin mit namhaften Orchestern auf, so u.a. auch 2010 mit der Georgischen Sinfonietta beim Young Euro Classic Festival in Berlin, und veröffentlichte bereits zwei CDs. Ebenfalls letztes Jahr wurde ihr die besondere Ehre zuteil, auf dem berühmten Flügel von Vladimir Horovitz spielen zu dürfen.
Nino Gvetadze: Widmung
Piano Works by Franz Liszt
(Ungarische Rhapsodie Nr. 10 E-Dur, Ballade Nr. 2 h-Moll, h-Moll-Sonate sowie
die Transkriptionen von Schumanns »Liebeslied« und Schuberts »Gretchen am Spinnrade«)
Orchid Classics ORC 100017
musikschulwelt meint: »Auf Du und Du mit Franz Liszt« hätte ebenfalls einen guten Titel für diese Neuerscheinung abgegeben. Mit welcher Selbstverständlichkeit und Souveranität Nino Gvetadze nicht nur die technischen, sondern auch interpretatorischen Herausforderungen meistert, ist verblüffend. Und den originellen Videoclip verdanken wir womöglich einer jugendlichen Unbekümmertheit, die in dem sich oftmals zu ernst nehmenden Klassikbetrieb erfrischt und sich hoffentlich noch lange erhält.
