Mehr als eine Benimmschule für Konzertgänger

Violinvirtuose schreibt augenzwinkernden Ratgeber

Wer kennt das Gefühl nicht? Man betritt ein Konzert- oder Opernhaus und irgendwie fühlt sich plötzlich alles anders an: so als wäre man in eine andere Welt eingetreten, in der die Orientierung abhandengekommen ist. Der Blick wandert von rechts nach links: Bin ich richtig angezogen? Wie verhalten sich die anderen Gäste? Auf dem Platz angekommen setzt sich die innere Fragestunde fort: Warum werden die Instrumente eigentlich nach dem Oboenton gestimmt? Wieso gibt der Dirigent zu Beginn nur dem Konzertmeister die Hand? Weshalb wird mal mit, mal ohne Noten gespielt? Woher kommt der Frack als Dienstkleidung der Orchester? Was macht der Geiger, wenn ihm eine Saite reißt? Und wer hat eigentlich bestimmt, dass man zwischen den Sätzen einer Sinfonie nicht klatschen darf?

Dies sind nur einige der Fragen, auf die das Buch Antworten gibt. Der weltberühmte Violinist Daniel Hope lädt als Insider zu einem vergnüglichen und lehrreichen Ausflug hinter die Kulissen des Konzertbetriebs ein. Und neben ganz praktischen Tipps (Wo ist der beste Platz?) bietet er auch gleich noch einen 33-seitigen Schnellkurs in Musikgeschichte mit solch ehrlichen Fragestellungen wie: Warum ist die Moderne so anstrengend?

Es ist überaus erfrischend, wie der Autor so unmittelbar aus dem Herzen der Szene heraus plaudert und dabei diesen angeblich so verknöcherten Betrieb für das junge Publikum interessant macht. Klassik, die sich auch einmal selbst auf den Arm nimmt, ist sympathisch – und Daniel Hope hat dazu mit seinem Buch einen wichtigen Beitrag geliefert.

Daniel Hope: Wann darf ich klatschen?
ISBN 978-3-498-00665-5
253 Seiten, geb.
rowohlt, EUR 19,90

musikschulwelt meint: Dieses Buch beseitigt jegliche Vorbehalte von Erst- oder nur sporadischen Konzertgängern. Nach seiner Lektüre wird man den nächsten Konzertbesuch kaum erwarten können und die Szene künftig mit anderen Augen und Ohren wahrnehmen!