Kronjuwelen für das Ohr

Der Cellist Alban Gerhardt  präsentiert auf seiner neuen CD Werke von Gabriel Fauré

»Mit 17 oder 18 Jahren hätte man mit meinem Cellospiel keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken können«, verriet Alban Gerhardt vor einigen Jahren einem Fachmagazin. Heute würde er – um im Bild zu bleiben – mit seinem Instrument vermutlich gleich einen ganzen Hundezwinger zur Parade veranlassen. Ein geradezu tierisches Vergnügen bereitete bereits das Hören seiner letzten CD »Casals Encores«, der er nun ein reines Gabriel-Fauré-Album folgen lässt.

Die beiden Cellosonaten op. 109 (1917) und op. 117 (1921) des Franzosen gehören zu den Meisterwerken der Celloliteratur und entstanden erst nach dessen 70. Lebensjahr. Wer daraus womöglich falsche Rückschlüsse zu ziehen verleitet ist, für den sei hier Faurés befreundeter Komponistenkollege Vincent d’Indy zitiert, der nach der Uraufführung der Sonate Nr. 2 begeistert schrieb: »… so lebendig und packend … Hast du ein Glück, so jung zu bleiben!«

Lebendig und packend

Tatsächlich zeigen beide Sonaten einen Esprit, eine Intensität und Lebenslust, wie sie auch einem 20-Jährigen gut zu Gesicht ständen … das jedoch gepaart mit der satztechnischen Kompetenz eines ganzen Komponistenlebens. Ergänzt wird die CD durch fünf Kleinode aus verschiedenen Schaffensphasen des Franzosen, nämlich der Élégie op. 24, der Romance op. 69, Papillon op. 77, Sérénade op. 98 und Sicilienne op. 78. Dass der in dieser Reihe einzige bildhafte Titel »Papillon« übrigens so gar nicht im Sinne des Komponisten war, wird aus der Kommunikation mit dessen geschäftstüchtigem Verleger Julien Hamelle deutlich: Letzterer bestand darauf, das Stück zunächst »Libellules« (dt.: Libellen), später dann »Papillon« (dt.: Schmetterling) zu nennen, worauf Fauré erwiderte: »Schmetterling oder Mistfliege, nennen Sie es, wie Sie wollen.«

Originelle Zugabe mit Mehrwert

Besondere Erwähnung verdient noch ein besondere »Zugabe« auf dieser CD, die einen spannenden Beitrag für die ungelöste Tempofrage des letzten Satzes der Sonate op. 109 liefert: Heute stimmen die meisten Cellisten darin überein, dass das im Original notierte Tempo des Allegro commodo (Viertel = 80) zu langsam ist. Deshalb hat Alban Gerhardt von diesem Satz hier kurzerhand eine langsamere sowie eine schnellere Version eingespielt – und lässt so nun auch für den Laien eine unmittelbare Meinungsbildung zu.

Gabriel Fauré: Cello Sonatas
Alban Gerhardt (Cello), Cecile Licad (Klavier)
Hyperion CDA67872 (Vertrieb: Codaex)

musikschulwelt meint: Gemeinsam mit Gerhardt taucht man gerne ab in die Welt dieses französischen Spätromantikers – in einen schillernden Kosmos der Emotionen, den der deutsche Virtuose ebenso kraftvoll wie einfühlend und stilsicher durchquert. Gerhardts Celloton ist während dieser Reise im einen Moment neugierig-herausfordernd, im nächsten dann wieder zurückgenommen melancholisch – dabei aber immer von einer technisch faszinierenden, weil so selbstverständlich unaufgeregten Souveranität. Gemeinsam mit der überzeugenden Pianistin Cecile Licad bricht er auf diese Weise lautstark eine Lanze für Gabriel Fauré, der neben seinem legendäre »Requiem« eben auch andere Kronjuwelen für das Ohr hinterlassen hat …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte lösen Sie diese Aufgabe: * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.