»Musik ist letztlich die wichtigste Sprache!«

»Komponieren ist meine Sprache und die ist ohne Grenzen.
Das ist nicht mal türkisch, mal russisch,
sondern meine universale und ureigene, letztlich meine wichtigste Sprache.«

Olga Magidenko stammt aus einer russischen Musikerfamilie. Ihr Vater Michail war ein renommierter Komponist, die Mutter Pianistin. Als sie mit sechs Jahren Klavier zu spielen begann, entwickelte sich schnell auch der Wunsch, zu komponieren und so dem Vater nachzueifern. Ihre ersten Kinderlieder schrieb Olga im Alter von sechs Jahren. Mit elf beschloss sie, ihre musikalische Ausbildung ernsthaft weiterzuführen, und besuchte den Arbeitskreis »Komposition« an ihrer Schule. Am Konservatorium in Moskau studier­te sie Komposition bei Aram Chatschaturjan und schloss mit Auszeichnung ab.

Romantikerin mit Leib und Seele

1991 war sie als Komponistin »Artist in Residence« der Stetson University Deland, Florida. Im gleichen Jahr kam sie auf Empfehlung von Sofia Gubaidu­lina nach Heidelberg, wo sie mit ihren Werken bei dem Neue-Musik-Festival »Komponistinnen gestern-heute“ zum ersten Mal in Deutschland vorgestellt wurde. Seit 1994 lebt sie in Sandhausen bei Heidelberg. Im Jahr 2002 erhielt Olga Magidenko den Heidelberger Künstlerinnenpreis. »Ich fühle mich eher als romantische denn als moderne Komponistin«, sagt die heute 57-Jährige. »Ich brauche und benutze die verschiedensten, auch moderne Techniken und dennoch fühle ich mich als Romantikerin. Für mich sind Gefühle am wichtigsten und vielleicht ist dies Romantik.« Nicht umsonst trifft man in ihren Partituren auf Spielanweisungen wie »sentimentale« oder »nostalgico«. Der Großteil ihrer Werke wird vom Furore Verlag verlegt.

Emotionale Achterbahnfahrten

Klangliche Sinnlichkeit und eine tiefe Mystik sind kennzeichnend für ihren Stil, der gefangen nimmt durch sein stark ausgeprägtes psychologisches Feingespür. Darüber hin­aus ist es ein teils spielerischer, teils von emotionaler Tiefe geprägter Umgang mit Anklängen an russi­sche Folklore, der innerhalb eines dramatischen bis hochemotionalen Kontextes ihrer Musik unerhörte Räume öffnet.  Olga Magidenkos Oeuvre umfasst die verschiedensten Gattungen: von Sinfonien über Kinderopern bis hin zu Solowerken für Klavier, Akkordeon, Harfe und Kammermusik in den verschiedensten Besetzungen. Stephanie Höhle


Notenfutter für neugierige junge Pianisten:

  • Kleine Sonatine op. 89 (2008) für Klavier: Das Stück ist für Anfänger gedacht, die außer dem Klavierspiel auch die Sonatenhauptsatzform kennenlernen wollen. Es handelt sich um einfache lustige Musik in leichtesten Sonataform-Fassungen mit zwei Themen, aber ohne Ausarbeitung in der Mittelpartie. Der Kontrast zwischen den beiden Themen ist ein rein motorischer: das 1. Thema ist schnell, das 2. Thema ist ein wenig lyrisch und langsamer. (Furore-Verlag fue 10040, ISMN 979-0-50182-040-5, EUR 4,00)
  • Sonate op. 2 (1967) für Klavier: Die Klaviersonate op. 2 ist formal klassisch aufgebaut. Ihre drei Sätze lassen sich folgendermaßen charakterisieren: Der erste Satz ist ein Sonatenhauptsatz mit dramatischem bewegtem Thema. Sein zweites Thema, lyrisch und sanft, liefert einen schönen Kontrast. Der Mittelsatz ist dreiteilig. Er beginnt mit einem eher traurigen Thema, zu dem das zweite Thema, tänzerisch und weniger dramatisch, kontrastiert. Der dritte Satz ist ein Scherzo, humoristisch und hell. Der Form nach ist es ein Rondo mit Fugato als zweiter Episode. (Furore-Verlag fue 4420, ISMN 979-0-50012-942-4, EUR 17,00 – Ausgabe inklusive der Lustigen Fughettas op. 3)
  • Lustige Fughettas op. 3 (1968): Die Fughettas op. 3 sind vier Stücke mit humoristischen Anklängen. Alle erdenklichen polyphonen Veränderungen werden durchgespielt: das musikalische Thema im Spiegel, im Krebs, in Vergrößerung, in Verkleinerung. (Furore-Verlag fue 4420, ISMN: 979-0-50012-942-4, EUR 17,00 – Ausgabe inklusive der Sonate op. 2)
  • Bauernhof op. 88 (2008) für Klavier: Lustige Suite für Jugendliche im Alter von 13 oder 14 Jahren. Die Titel der einzelnen Stücke sprechen für sich selbst. Der Schmied schmiedet, die Tauben turteln, das Hündchen bellt, rennt, springt, versucht seinen Schwanz zu fangen, der Truthahn schreitet und die Pute geht spazieren, das Schäflein ist krank und – am Ende wieder gesund, das Lama ist stolz und unzugänglich, die Mühle dreht sich, Feierabend – heißer Blues. (Furore-Verlag fue 10069, ISMN 979-0-50182-069-6, EUR 10,00)