Erschwinglicher Musikunterricht – eine Frage des Wohnorts!

musikschulwelt recherchiert Kosten an öffentlichen Musikschulen in NRW

(Foto: musikschulwelt.de)

Musikschule ist eine freiwillige Leistung der Kommunen. Sie kann den Bürgerinnen und Bürgern ein entsprechendes Unterrichtsangebot machen, ist aber nicht dazu verpflichtet. Da viele Kommunen bekanntlich überschuldet sind, werden Musikschulen zusätzlich meist von Sparzwängen belastet. Das bedeutet entweder limitierte Plätze und/oder die überwiegende Übernahme der Kosten durch die Familien.

Angebote und Tarife der Musikschulen variieren aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen in den Kommunen relativ stark. Die Redaktion von musikschulwelt hat es unternommen, bei öffentlichen Musikschulen in NRW Gebühren zu recherchieren,und ist dabei auf einen relativ unübersichtlichen »Tarifdschungel« gestoßen.*

Wer sein Kind an einer öffentlichen Musikschule anmeldet, zahlt zunächst häufig eine in der Regel einmalige Aufnahmegebühr. Einige Musikschulen erheben auch einen monatlichen Mitgliedsbeitrag. Die weiteren Kosten setzen sich zusammen aus einer Gebühr für das gewählte Unterrichtsangebot (Früherziehung, Instrumentalunterricht einzeln oder in einer Gruppe, Workshops etc.) und gegebenenfalls aus Gebühren für die Teilnahme an Ensembles sowie für die Instrumenten-Leihe.

Angebote für musikalische Früherziehung machen alle der untersuchten Musikschulen, wobei diese im Umfang zwischen 45 und 90 min Unterrichtszeit pro Woche recht stark voneinander abweichen. Durchschnittlich 264 Euro kostet ein Früherziehungskurs pro Jahr. Allerdings kann man in Bonn einen entsprechenden Kurs mit 75 min pro Woche bereits für 190 Euro belegen, in Herford hingegen werden für 60 min pro Woche satte 442 Euro im Jahr fällig.

Wohl dem, der in Bonn oder Leverkusen wohnt

Einzelunterricht wird zumeist in Einheiten von 30 oder 45 Minuten pro Woche erteilt – es gibt aber auch 25 und 50 Minuten oder 60 Minuten. Für 30 Minuten Einzelunterricht bezahlen Eltern in NRW durchschnittlich 632 Euro im Jahr. In Meerbusch kann man das schon für 474 Euro haben, in Erftstadt schlagen 754 Euro zu Buche. Auch hier ist wieder Herford mit 1040 Euro Spitzenreiter.

Betrachtet man die Preise für eine 45-minütige Einzelstunde, so kostet diese durchschnittlich 884 Euro pro Jahr. In Gelsenkirchen bekommt man sie für 516 Euro, in Köln ist mit 1080 Euro mehr als das Doppelte zu entrichten. In Herford – einer von der Stadt als gGmbH ausgegliederte Musikschule – sind es sogar 1482 Euro. Und beim Thema Einzelunterricht ist zudem anzumerken: Wer sein Kind Klavier oder Orgel spielen lassen möchte, muss bei vielen Musikschulen noch etwas tiefer in die Tasche greifen – hier wird ein Aufschlag für die Nutzung der hauseigenen Instrumente erhoben.

Familien, die zwei oder mehr Kinder zum Unterricht anmelden, erhalten bei den meisten Musikschulen eine Ermäßigung, die beim zweiten Kind von 7,5 Prozent (Viersen) bis hin zu 30 Prozent (Bottrop) reichen kann. Einige wenige Musikschulen staffeln ihre Tarife auch nach dem Jahreseinkommen der Familie (z.B. Detmold).

Musikalische Bildung ist aufgrund dieser Erkenntnisse offensichtlich eine Wohnortfrage. Wohl dem, der in Bonn oder Leverkusen wohnt. Dort ist Musikunterricht verhältnismäßig erschwinglich.

musikschulwelt meint: Es ist inakzeptabel, dass überhaupt ein Bildungsbereich so extrem von kommunalen Finanzen abhängig und entsprechend ungerecht strukturiert ist. Instrumentalunterricht darf langfristig kein rein freiwilliges Angebot bleiben, sondern muss in den Status einer »pflichtigen Leistung« überführt werden. Zusätzlich müssen die Kommunen hierfür einen höheren Beitrag an Landesmitteln erhalten. Hier gibt NRW gegenüber anderen Bundesländern beschämend wenig aus. Beide Forderungen stellt auch die Landesvereinigung der Elternvertreter und Fördervereine der Musikschulen in NW e.V.

* Ausgewertet wurden die Gebührenordnungen von 36 öffentlichen Musikschulen in NRW – Stand Herbst 2011.