Musikalische Bildung für alle – Musikklassen und ihre Konzepte II

Musikklassen: Einstiegskonzepte

Weit verbreitet sind Musikklassen-Angebote, die sich auf eine kürzere Phase von meist 2 Schuljahren begrenzen. Alle Kinder sollen in dieser Phase in Kleingruppen die Grundlagen eines Instruments erlernen und im Klassenverband zusammen musizieren. Die Zahl der Musikstunden ist entsprechend erhöht. Nach den beiden Jahren sind die Schüler wieder von dieser Verpflichtung entbunden und können auf freiwilliger Basis weiter Instrumentalunterricht nehmen und in Ensembles spielen. Für Eltern und Kinder ist hier ein zeitlich und finanziell überschaubarer Rahmen vorgegeben. Es ist somit eine Art Schnupperkurs in Sachen Musik, der dann in der Folge aber weiterhin auf die Eigeninitiative der Familien setzt. Hauptziel ist, möglichst viele Schüler für die Musik zu begeistern.

Beispiel: Gymnasium an der Stenner, Iserlohn: Verteilung der Musikunterrichtsstunden der Musikklasse:

1. Stunde2. Stunde3. Stunde4. Stunde
5. Klasse
(1. Halbjahr)
Instrumentalunterricht
in der Musikschule
Musik und BewegungKeyboard im KlassenverbandMusikunterricht
5. Klasse
(2. Halbjahr)
Instrumentalunterricht
in der Musikschule
KlassenorchesterKeyboard im KlassenverbandMusikunterricht
6. Klasse
(1. und 2. Halbjahr)
Instrumentalunterricht
in der Musikschule
KlassenorchesterMusikunterrichtMusikunterricht

Die Kosten für die Musikklasse betragen hier 35 € im Monat, eingeschlossen die Leihgebühr und die Versicherung für das Instrument.

 

Musikklassen: Schwerpunktkonzepte

(Foto © musikschulwelt.de)

In umfassenderen Konzepten legen sich Schüler auf einen mehrjährigen musikalischen Schwerpunkt fest, mitunter sogar für die gesamte Schulzeit. Die Schüler verpflichten sich, Instrumentalunterricht zu nehmen und in einem schulischen Ensemble mitzuwirken. In den Musikklassen selbst können dadurch auch aufwändigere Projekte wie Musicals– zum Teil auch über mehrere Jahre hinweg — erarbeitet und realisiert werden. Hier geht es nicht nur um einen Einstieg ins Musizieren, sondern um eine vertiefte musikalische Ausbildung im Klassenverband.

Beispiel: Stadtgymnasium Köln-Porz

„In der Jahrgangsstufe 5 haben die Schülerinnen und Schüler Instrumentalunterricht, Musik und Bewegung (Rhythmik) und Chor. In den folgenden Jahrgangsstufen müssen die Schülerinnen und Schüler neben dem Pflichtfach Instrument (in Klasse 9 zusätzlich Musik und Theorie) ein Wahlpflichtfach belegen. Der Schwerpunkt der Wahlpflichtfächer liegt auf dem „miteinander Musizieren“. Das Wahlpflichtangebot besteht derzeit aus: Chor, Orchester, Rock/Pop, Jazz, Percussion, Komposition, Improvisation, Musiktheater, Bläser-, Gitarren-, Klavierensemble, Kammermusik, Folklore, Rock/Pop Piano. Durch dieses Angebot erhalten die Schülerinnen und Schüler eine allgemeine musikpraktische und musiktheoretische Ausbildung, die über das „reine“ Erlernen ihres Instrumentes sowie schulcurriculare Vorgaben im Fach Musik weit hinausgeht.“

Kosten: Der Instrumentalunterricht muss in Köln-Porz selbst finanziert werden. Die Musikschule bietet 45 Minuten Einzelunterricht für 90,00 € monatlich an, der Instrumentalunterricht kann aber auch privat erteilt werden. Zusätzlich wird ab Klasse 5 von der Musikschule eine Musikklassengebühr von 12 € monatlich erhoben.

 

Musikklassen: Instrumente

Musikklassen unterscheiden sich grundsätzlich durch ihre unterschiedlichen Formen des instrumentalen Zusammenspiels. Bewährt sind Streicher- Bläser- und Chorklassen, insbesondere in den Einstiegskonzepten. Didaktisches Material für den Unterricht  ist dafür auf dem Markt. Die Schüler haben hier nur begrenzte Auswahlmöglichkeiten für ihr Instrument.

Beispiel: Johannesschule Meppen

„Wir wollen zusammen eine Bigband bilden. Deshalb richten wir folgende Besetzung ein: 8 Saxophone 8 Trompeten 4 Posaunen 2 E-Gitarren 2 Schlagzeuge 2 E-Bässe 2 Keyboards (…). Im Mai eines jeden Jahres findet für die Schüler der 4. Klassen, die an der „Musik-Klasse!“ interessiert sind, ein Schnuppertag statt. An diesem Tag lernen die Neuen die verschiedenen Instrumente kennen und entscheiden sich für „ihr“ Lieblingsinstrument. Damit die Zuordnung zu den Instrumenten ausgeglichen erfolgen kann, muss jedes Kind 3 Wünsche angeben, von denen eines ein Blasinstrument sein muss.“

Etwas breiter und stärker auf die Vorlieben Jugendlicher ausgerichtet sind Konzepte wie „1stclassrock“. Hier wurde für alle Schultypen eine Verbindung von Instrumental- und Ensembleunterricht im Rock-Pop-Bereich entwickelt. Als Instrumente stehen hier Keyboard, Gitarre, Bass, Schlagzeug oder der Bereich Percussion zur Wahl. Entsprechend werden auch noch breiter angelegte Orchester-Klassen erprobt oder völlig offene Modelle, bei denen jedes Instrument willkommen ist und die Schüler von Musikklassen in verschiedenen Ensembles jahrgangsübergreifend zusammenfinden.

 

Musikklassen: Ein Erfolgsmodell?

Musikklassen scheinen ein Erfolgsmodell, immer mehr Schulen bieten sie an, bei immer mehr Eltern erfahren sie offensichtliche Akzeptanz. Die Projekte „JeKi“ und „Klasse im Puls“ werden auch musikpädagogisch begleitet. Für Eltern bleibt aber nach wie vor unübersichtlich, welche Qualitätsanforderungen zu stellen sind.

Musikschulwelt fordert Sie daher zum Erfahrungsaustausch auf. Berichten Sie uns, wie Sie und Ihre Kinder das Abenteuer Musikklasse erleben, gerne als Kommentar unten.

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