Iskandar Widjaja – Geigenvirtuose zwischen Konzertpodium und DSDS

Foto: Guy Coburn

Der international gefragte Violinist spricht mit musikschulwelt über seine musikalischen Anfänge

1986 in Berlin geboren, ist Iskandar Widjaja in Indonesien, der Heimat seiner Eltern, bereits so etwas wie ein Popstar. Hierzulande hat der 25-Jährige soeben eine CD mit dem Titel »Bach ’n‘ Blues« veröffentlicht. Wie das zusammenpasst? »Diese beiden Welten sind Extreme, die meine musikalische Schizophrenie reflektieren sollen. Musik voll kindlicher Phantasie und religiöser Intensität. Oder kindlicher Intensität und religiöser Phantasie?« Das Kindlich-Neugierige hat sich der Musiker jedenfalls bewahrt. So ließ er es sich nicht nehmen, für »Deutschland sucht den Superstar« einen Casting-Termin wahrzunehmen:

»DSDS ist meine Therapie. Ich muss sieben Stunden am Tag mit der Geige üben. Davon bekommt man leicht eine kleine Psychose. Ich will mich einfach ein bisschen entspannen. Geige spielen ist für mich ein Beruf, Popmusik ist für mich Spaß.«

Begonnen hat Widjaja im Alter von vier Jahren mit dem Violinspiel. Seine Mutter Pianistin, ein Onkel Dirigent, eine Tante Balletttänzerin und der Opa ein berühmter Komponist in Indonesien … da war ihm die Musik quasi in die Wiege gelegt. Unterricht erhielt er an der Musikschule Charlottenburg/Wilmersdorf nach der »Suzuki-Methode«. Auch Gruppenunterricht–Repertoireklassen am Wochenende gehörten dazu. Mit Elf war er dann schon Jungstudent an der HfM »Hanns Eisler«.

musikschulwelt: Haben Sie denn immer freiwillig geübt?

Meine Mutter hat mir am Anfang Geschichten erzählt, passend zu meinen Stückchen. So hat es mir Spaß gemacht, es waren ja auch nur ca. 10-20 Minuten am Anfang. Außerdem habe ich nach erfolgreichem Wiederholen einen Sticker bekommen, den ich gerne gesammelt habe … wurde also erfolgreich manipuliert 😉

»Jugend musiziert« als Ansporn

Als ich dann mit 11 an das »Bach-Gymnasium« kam, ehemals Spezialschule für Musik , hatte ich natürlich Ansporn, weil es viele kleine »Virtuosen« dort gab, mit denen ich mich messen wollte. Klar, da hat man schon mehr geübt. Es hat mir aber nie jemand gesagt, dass ich mehr üben sollte, oder Druck gemacht, sondern der Ansporn ist im Inneren gewachsen aus dem passenden Umfeld. Und für »Jugend musiziert« dann natürlich besonders!

musikschulwelt: Manch junger Musiker kommt ja schon einmal in die Situation, dass er sein Instrument in die Ecke feuern möchte …

Nein, ich wusste immer, dass ich es selbst will, eben weil ich nie Zwang von außen hatte. Außerdem haben mir Konzerte schon immer Spaß gemacht, das Gefühl, Musik und Emotionen zu teilen, hat mich schon als Kind beflügelt. Das hat mir die Kraft gegeben, auch in schwierigen Phasen nie aufzugeben. Natürlich hatte ich dann auch sehr strenge Lehrer, die nicht immer zufrieden waren, aber das war eine Herausforderung, mich eben noch besser zu konzentrieren. Es liegt an dem super Start, den ich hatte, dass Musik für mich bis heute auch Spaß ist. Wenn ich Stress oder Sorgen habe – ein Satz Bach und die Welt ist wieder in Ordnung!

Foto: Guy Coburn

musikschulwelt: Blieben und bleiben denn da noch Freiräume für andere Hobbys?

Als Kind wollte ich Folgendes werden: Maler, Dichter, Geiger, Bastler. Man sieht also schon deutlich meine künstlerische Ader. Außerdem habe ich immer gerne gesungen, was mich auch dazu gebracht hat, zum Casting von DSDS zu gehen … Später habe ich noch das Fitnessstudio entdeckt, was sich sehr gut mit der Musik vereinbaren lässt. Wenn ich fit bin, spiele ich ja auch gut!

Wenn man gut Geige übt, lernt man in schwierigen Situationen durchzuhalten …

musikschulwelt: Und wann spielte die Violine in Ihrem Leben sozusagen die »erste Geige«?

Ab Elf war die Geige schon auf Platz 1. Da wusste ich bereits, dass ich eine Konzertlaufbahn anstrebe, und habe schon heimlich meine CD-Covers entworfen. Geigeüben war auch eine Art Meditation durch die hohe Konzentration, die es erfordert. Das tägliche Üben gibt dir Struktur, fordert dich intellektuell und emotional. Ich glaube, wenn man gut Geige übt, lernt man in schwierigen Situationen durchzuhalten. Ok, die Stelle klappt nicht, aber sie wird klappen , wenn ich weitermache.

Bach beruhigt und belebt mich gleichzeitig

musikschulwelt: Nun eine kleine Reise in der Zeitmaschine: Welchem Komponisten würden Sie gerne einmal die Hand schütteln?

Johann Sebatian Bach, weil seine Musik für mich ein großes Rätsel ist und mir zugleich sehr gut gefällt. Ich hätte ihm gern beim Komponieren über die Schulter geschaut und auch sein Alltag hätte mich interessiert. Wie lebt jemand mit einem guten Dutzend Kindern, Job in der Kirche und dann noch nebenbei Meisterwerke komponieren, die bis in alle Ewigkeit gespielt werden? Außerdem noch Geige, Cembalo und Orgel meisterhaft beherrschen? Seine Musik löst auch eigenartige Sachen in mir aus: Sie beruhigt und belebt mich gleichzeitig.

musikschulwelt: Würden Sie uns Ihre persönlichen Lieblingskompositionen nennen – und vielleicht auch einen Repertoire-Geheimtipp?

Die Chaconne d-Moll von J.S. Bach, universellste und spirituellste Musik – das Violinkonzert von Johannes Brahms für die brennende Intensität – und »La Campanella« von Niccolò Paganini for fun! Dann die Violinsonate von Francis Poulenc (auch auf »Bach ’n‘ Blues«, erschienen bei Oehms Classics OC 822), weil sie eine perfekte Kombination von Pop- und Jazzmusik mit klassischem Violinrepertoire ist.

musikschulwelt: Verraten Sie uns zum Schluss noch Ihre persönliche Liebeserklärung an die Violine?

Yeah Baby, bitte nicht kratzen, dann streichel ich dich auch!!!

 

Ein Beitrag aus der O-Ton-Reihe »Auch ich war Musikschüler …« von musikschulwelt.de
Auch die Großen haben einmal klein angefangen. Ob am Instrument oder im Chor: Es sind oft unvergessliche Erinnerungen, die sich damit verbinden. musikschulwelt schaut gemeinsam mit Stars aus und jenseits der Musikszene auf deren ersten Gehversuche in der Musik.

  1 comment for “Iskandar Widjaja – Geigenvirtuose zwischen Konzertpodium und DSDS

  1. octavie paul
    12. September 2015 at 21:53

    Erstaunlich. Sagt man so? ISSE is in helskinki for a Concert in Espoo (tango)
    Ive read the intervieuw and listened to
    All there’s to be found on Youtube.
    it is true he is a Great Musician. I wish him all the best. going to witness and enjoy his brilliant performance to morrow.

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