Donna Leon, hierzulande bekannt für ihre venezianischen Krimis, pflegt privat eine Leidenschaft für Barockmusik, speziell für jene Georg Friedrich Händels. Dass in dessen Opern immer wieder Tiere ein mehr oder minder große Rolle spielen, hat unsereiner bislang im besten Fall beiläufig zur Kenntnis genommen. Nicht so jedoch die US-amerikanische Autorin, die sich während ihres Studiums intensiv mit so genannten »Bestiarien« und mittelalterlicher Naturforschung beschäftigte.
Die dabei gewonnene Begeisterung für die künstlerische Dastellung und Verarbeitung des Tierreichs entdeckte sie auch in der Händel’schen Musik wieder. Ergebnis ist ein kleines wundervolles Buch, das Löwe, Schlange, Nachtigall, Biene, Taube, Tiger, Frösche, Elefant, Nachtfalter, Hirsch, Phönix und Turteltauben nicht nur anhand der entsprechenden Arientexte im Händel-Werk identifiziert, sondern jedem dieser zwölf Tiere auch gleich noch ein kleines Kapitel zu dessen künstlerischer Symbolik widmet: »Ich bin keine Musikerin«, so Donna Leon. »Ich kann keine Noten lesen. Ich verstehe nichts von Musiktheorie. Ich bin Mitläuferin, ein Groupie, nennen Sie es, wie Sie wollen: Ich bin ein Herz mit ein Paar Ohren daran …«
Komplettiert wird diese von Michael Sowa inspirierend illustrierte Anthologie durch eine CD mit den angesprochenen Händel-Arien, die mit Alan Curtis und »Il Complesso Barocco« Kapazitäten der Alten Musik eingespielt haben.
Donna Leon: Tiere und Töne
ISBN 978-3-257-06763-7
144 Seiten, geb.
Diogenes, EUR 19,90
musikwelt meint: Diese Bestsellerautorin versteht sich nicht nur auf Mord und Totschlag, sondern auch auf leisere Töne … und liefert hier en passant einen ganz unmittelbaren persönlichen Zugang zur ausgesprochen bilderreichen Musiksprache des Barockzeitalters.

