»Musik studieren ist ein Akt der Freiheit!«

»Die Musik schien mir meine einzige Chance, überhaupt zu kommunizieren.«

Florentine Mulsant wurde am 27. März 1962 in Dakar/Senegal geboren. 1965 verließ ihre Familie Senegal und siedelte nach einem vierjährigen Aufenthalt in Algerien schließlich nach Frankreich über. Ihr Vater war ein kunstliebender Geschäftsmann. Ihre Mutter entstammte einer aristokratischen Familie, die Kontakte zu dem Komponisten Maurice Ravel und dem Dichter Francis Jammes pflegte. Das Notenlesen und -schreiben brachte sie sich mit elf Jahren überwiegend selbst bei.

Als 13-Jährige allein in Paris

Als ihre Eltern 1975 nach Spanien gingen, entschied sich die damals 13-jährige Florentine, allein in Frankreich zu bleiben, um sich ganz ihrem Musikstudium zu widmen. So wuchs sie bei einer Pflegefamilie auf. Aus heutiger Sicht war dies genau die richtige Entscheidung für ihr Leben. »Musik studieren zu können, war für mich ein Akt der Freiheit.« Florentine war ein sehr schüchternes und sensibles Kind. »Die Musik schien mir meine einzige Chance, überhaupt zu kommunizieren«, so die Komponistin.

Französische Klangtraditionen

Florentine Mulsant gehört zur aufstrebenden Generation der französischen Komponistinnen und Komponisten. Sie studierte zwölf Jahre am Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris (CNSM), wo sie eine klassische Ausbildung in Harmonielehre, Kontrapunkt, Analyse und Orchestrierung bei namhaften französischen Professoren genoss. Ihre Musiksprache ist sehr französisch; in Klangfarbe, Ton und Wahl der Instrumente steht sie in der Tradition von Ravel, Dutilleux und Messiaen. 1987 erhielt sie mit einstimmigem Votum der Jury den ersten Preis im Fach Komposition an der Schola Cantorum in Paris. Ihr dortiger Lehrer war Allain Gaussin. Kompositionsunterricht erhielt sie von Franco Donatoni an der Accademia Musicale Chigiana in Siena, Italien, bei Alain Bancquart am CNSM in Paris ergänzte sie ihre Studien. Von 1991 bis 1998 hatte sie einen Lehrauftrag für Musiktheorie an der Universität Paris IV-Sorbonne.

Ein Händchen auch für die Jugend …
Seit 1999 widmet sie sich ausschließlich der Komposition. Sie gewann viele Preise und Auszeichnungen, so den Internationalen Kompositionswettbewerb Premio Città di Pescara für »Amers« für Klavier op. 4 (1998), 2004 die Goldmedaille bei dem Concours International de l’Académie de Lutèce für ihr Streichquartett op. 26 und im Juli 2006 für ihr Orgelwerk »Suite Sacrée« op. 31 den Henri-Sauguet-Preis beim Internationalen Kompositionswettbewerb von Saint Bertrand de Comminges.

In Frankreich sind viele Werke von Florentine Mulsants Werken bereits auf den Auswahllisten des dortigen »Jugend musiziert«-Wettbewerbs. Die Komponistin arbeitet viel und gerne mit Kindern und Jugendlichen in Musikschulen. Durch diese Arbeit sind einige Werke, die gut im Unterricht einzusetzen sind, entstanden. Mulsants Werke werden auf größeren Musikfestspielen weltweit (ur)aufgeführt, so beim Beethovenfestival in Bonn. Viele ihrer Kompositionen sind Auftragsproduktionen, wie ganz aktuell die »4 Nocturnes«, die am 2. Juni 2011 im Theater Trier vom Philharmonischen Orchester Trier unter der Leitung von GMD Victor Puhl uraufgeführt werden. Florentine Mulsants Gesamtwerk wird vom Furore Verlag verlegt. Stephanie Höhle

Notenfutter für neugierige junge Instrumentalisten:

  • »Cinq Pièces pour les enfants« op. 12 für Klavier: Zunächst für Kinder geschrieben handelt es sich eher um Stücke für Anfänger/innen. Sie sind kurz und gegensätzlich. Abwechselnd geht es einmal um Melodie, Humor, Verspieltsein, Fröhlichkeit – eigentlich reflektieren sie ein Stück Kindheit. (Furore Verlag fue 2950, ISMN 979-0-50012-195-4, EUR 6,50)
  • »Troix Miniatures« op. 14 für Flöte und Klavier: Diese drei fünfminütigen Stücke wurden für Kinder komponiert. Das erste ist ein melodischer Dialog voller Zärtlichkeit zwischen den beiden Instrumenten. Das zweite, schnellere Stück hat einen scherzhaften, ironischen Charakter. Die dritte Miniatur bietet einen ausdrucksvollen Dialog zwischen Flöte und Klavier, der das Werk in sanfter und friedlicher Stimmung beendet. (Furore Verlag fue 4650, ISMN 979-50012-965-3, EUR 6,00)
  • »Huit Pieces« op. 6 für Klavier: Bei diesen acht kurzen Stücken handelt es sich um Gegenüberstellungen unterschiedlicher Charaktere: elegisch, schnell und rhythmisch, klangvoll; auch mit nebulösen Harmonien und Clustern wird gespielt. Fließend und expressiv verläuft das musikalische Geschehen. (Furore Verlag fue 2940, ISMN 979-0-50012-194-7, EUR 8,00)
  • Weitere Informationen: www.florentinemulsant.com