Mehr Spaß und Selbstbewußtsein

Ergebnisse einer Schülerbefragung im Musikzweig des Stadtgymnasiums Köln-Porz

Die Musicalband des Stadtgymnasiums Köln-Porz

Immer mehr Gymnasien bieten Musikklassen an und auch die Nachfrage von Seiten der Schüler und Eltern ist ungebrochen. Was Musikklassen genau leisten können, welche verschiedenen Konzepte hier möglich und sinnvoll sind – hierüber stehen noch keine belastbaren Erkenntnisse zur Verfügung. Aber es gibt Erfolgsbeispiele, wie etwa den Musikzweig am Stadtgymnasium Köln-Porz.

2006 wurde dort die erste Musikklasse eingerichtet – in enger Kooperation mit der Carl-Stamitz-Musikschule (Regionalschule der Rheinischen Musikschule). Schüler, Lehrer und Eltern waren von Anfang an mit viel Enthusiasmus dabei. Seitdem hat sich daraus ein veritabler Musikzweig entwickelt – die Schule ist am 30. November zum zweiten Kölner Musikgymnasium „ernannt“ geworden.  Zu diesem Anlass wurde eine Schülerbefragung durchgeführt, um genauer zu erfahren, wie die Schüler selbst die Musikklassen und ihre Situation beurteilen. An der  Befragung haben sich fast alle Mitglieder der Musikklassen 5 bis 9 beteiligt sowie etwa die Hälfte der „Ehemaligen“ in der E1 und Q1 – insgesamt waren es 160 Schüler (von etwa 200 Schülern, die den Musikzweig bisher durchlaufen haben). Die Ergebnisse sind ermutigend, zeigen sie doch, dass die Musikklasse zwar einerseits „Mehrarbeit“ bedeutet, andererseits aber auch mehr Spaß am Instrument, mehr Zusammenhalt in der Klasse und mehr Selbstbewußtsein.

 

Instrumente, Instrumentalunterricht und Schulwahl

Vier von fünf Schülern der Musikklassen hatten bereits vor Eintritt in die Musikklasse ein Instrument gespielt und Unterricht erhalten, und das bereits durchschnittlich drei Jahre vor Übergang auf das Gymnasium. Für die Musikklassen interessieren sich also überwiegend Schüler, die bereits ein Instrument erlernen. Doch es werden auch Schüler neu für die Musik begeistert: Jeder Fünfte hat durch die Musikklasse mit Instrumentalunterricht begonnen. Für gut die Hälfte der Schüler war das Angebot, eine Musikklasse zu besuchen, ausschlaggebend für ihre Entscheidung, das Stadtgymnasium als Schule auszuwählen.

Die größte Gruppe der Musikklassen-Schüler spielt ein Tasteninstrument: 37 % haben sich überwiegend fürs Klavier entschieden, einige wenige spielen (ausschließlich) Keyboard. Die Streicher sind mit 28 % die nächst größere Instrumentengruppe, wobei es deutlich mehr Geigen als Celli gibt und sich nur eine einzige Bratsche im Musikzweig findet. Zupfinstrumente, weitgehend Gitarren, sind mit 17 % noch recht stark vertreten. Die Holzbläser mit 15 % verteilen sich relativ gleichmäßig auf Querflöte, Klarinette und Saxofon. Mit knapp 9 % ist das Schlagzeug als relativ beliebt einzustufen. Bei den 6 % Blechbläsern dominieren die Trompeten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von den Musikklassen-Schülern der Oberstufe nehmen zwei Drittel weiterhin Instrumentalunterricht, ein Drittel hat damit aufgehört. Nur etwa 14 % haben sich vorerst ganz vom Musizieren verabschiedet. Die große Mehrheit musiziert demnach weiter, ein Teil für sich selbst, knapp die Hälfte als Mitglied in einem Ensemble oder einer Band.

 

Üben und Musikrichtung

Ein Instrument spielen ohne zu üben – das geht nach allgemeiner Auffassung nicht. Immerhin ein Drittel der Musikklassen-Schüler gibt an, vorbildlich 5- bis 6-mal in der Woche zu üben. Die meisten, nämlich 38 %, üben 3- bis 4-mal. Jeder fünfte Schüler übt wenigstens 1- bis 2-mal wöchentlich. Diese Angaben beziehen sich auf das Üben für den Instrumentalunterricht. Für die Ensembles wird weniger geübt, die Hälfte der Schüler tut dies immerhin 1- bis 2-mal wöchentlich. 5 % üben 5- bis 6-mal und 16 % 3- bis 4-mal die in den Ensembles geprobten Stücke.

Beim Üben zählt nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Dauer. Durchschnittlich werden pro Übungseinheit 28 Minuten mit dem Instrument zugebracht. Hierbei zeigt sich interessanterweise, dass die häufig Übenden auch tendenziell die Einheit länger ausdehnen (32 Minuten).

Rock und Pop, Klassik und Filmmusik sind die unter den Musikklassen-Schülern mit Abstand beliebtesten Musikrichtungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Spaß, Hobbys und Selbstsicherheit

In einer Musikklasse zu lernen, wirkt sich positiv auf das Verhältnis der Schüler zu ihrem Instrument aus. 55 % der Schüler geben an, dass ihnen das Musizieren auf ihrem Instrument dadurch mehr Spaß bereitet. Bei 39 % hat sich der Spaß am Instrument durch die Musikklassen-Zugehörigkeit nicht verändert. Nur bei einer kleinen Minderheit von 3 % ist der Spaß eher verloren gegangen.

Andere Hobbys neben der Musik zu pflegen, wird offensichtlich während der Schullaufbahn zunehmend problematisch. Bei den Fünftklässlern haben nur 7 % weniger Zeit für andere Hobbys, bei den Siebtklässlern sind es 68 % und bei den Neuntklässlern bereits 75 %. Die Gründe dürften in der zunehmenden zeitlichen Anforderung der Ensembles einerseits sowie des allgemeinen Schulpensums andererseits liegen. Zeitmangel und Mehrbelastungen durch Üben, Proben, Aufführungen sind denn auch die wesentlichen Kritikpunkte, die etliche Musikklassen-Schüler in einer offenen Antwortmöglichkeit anführen.

Nichtsdestotrotz ist die Musik für zwei Drittel der Schüler durch die Musikklassen ein Hobby geworden – auch außerhalb der Schule. Und immerhin 27 % der Musikklassen-Schüler überlegen, dieses Hobby einmal zum Beruf zu machen – unter den Schülern der Oberstufe sogar 45 %. Ein weiterer und nicht zu unterschätzender positiver Effekt der Musikklassen: 43 % der Schüler empfinden, dass sie durch die Musikklasse selbstsicherer geworden sind.

 

Einschätzungen zur Musikklasse und den Ensembles

Die ganz überwiegende Mehrheit der Musikklassen-Schüler fühlt sich in ihrer Klasse wohl, insgesamt 89 %. In den einzelnen Klassen ist die Zustimmung hier jeweils mit mehr oder weniger Abstrichen unterschiedlich ausgeprägt – hier ist zu berücksichtigen, dass die „Chemie“ einer Klasse eben auch noch durch andere Faktoren geprägt wird. Am wohlsten fühlen sich jedenfalls aktuell die Klassen 5 und 9 – hier gab es überhaupt keine einschränkenden Antworten. Gut zwei Drittel der Schüler meinen außerdem, dass ihre Klasse durch das Musizieren einen besseren Zusammenhalt entwickelt hat, auch hier mit Unterschieden in den einzelnen Klassen.

Bei Konzerten und Musicals mitzumachen, ist für die weitaus meisten Schüler ein wichtiger Anreiz – 88 % finden das toll. Hier sind die Antworten für alle Klassen auch wieder homogen. Wer musiziert und singt, will das eben auch vorführen dürfen.

Von den Schülern, die bereits ein Ensemble besuchen (die Klasse 5 wählt noch nicht, Klasse 6 hat zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht mit dem Ensembleunterricht begonnen), haben 76 % auch Spaß daran. Knapp ein Viertel der Schüler sieht für sich nicht das richtige Ensemble im Angebot. Auf der Wunschliste für künftige Ensembles stehen ganz oben: ein Rock- und Pop-Ensemble sowie ein  Filmmusik-Ensemble.

Die Befragung bestätigt in der Bilanz, dass das Musikklassen-Konzept des Stadtgymnasiums Porz auf dem richtigen Weg ist und positive Effekte bewirkt.

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