Französische Ohrwürmer in neuem Gewand

Schott erweitert seine »Piano Lounge« um den Band »Chanson d’amour« von Carsten Gerlitz

In »Chanson d’amour« wurden 16 volkstümliche französische Melodien vom Volkslied bis zur Marseillaise von Carsten Gerlitz zusammengestellt und auf seine eigene, sehr persönliche Art arrangiert. Wer sich sich etwa darüber wundert, dass auch die Nationalhymne hier aufgenommen ist – wo doch die Liebe den roten Faden für den Band bildet -, sollte auf die 7. Textstrophe schauen, in der von der »amour sacré« und der »liberté cherie« die Rede ist, also von der »heiligen Liebe zum Vaterland« und von der »geliebten Freiheit«. Das Arrangement dazu hat demnach auch nicht den gewohnten revolutionären Charakter, sondern klingt verhalten und fast nachdenklich.

Dies ist nicht die einzige Überraschung in dieser Ausgabe. Das »Au clair de la lune« ist in Erinnerung an Eric Satie geschrieben, und auch ohne die Widmung »remembering Eric« gelesen zu haben, hört man ähnliche Klänge heraus wie bei dessen »Gymnopédie 1«. Und auch »Sur le pont d’Avignon« ist in der Gerlitz-Fassung mehr als ein Spiel – und Trällerliedchen; zwischendurch moduliert sie von F-Dur nach Des-Dur.

Auf der Umschlagseite werden die Bearbeitungen als »leicht spielbar« bezeichnet. Das sollte man etwas differenzierter sehen. Nur etwa die Hälfte der Stücke bereiten dem Laien keinerlei Schwierigkeiten. Die anderen erfordern doch einige Übung und die Hände müssen die nötige Spannweite haben, um die teilweise dichten Akkorde greifen zu können. Würde man jedoch einige Töne davon zur Vereinfachung weglassen, müssten die reizvollen Harmonien leiden.

Carsten Gerlitz: Chanson d’amour
16 Famous French Pop Songs für Klavier (inkl. Audio-CD)
ISBN: 978-3-7957-5937-7
Schott Music (ED 20540), 16,95 EUR

musikschulwelt meint dazu: Es lohnt, sich diese Arrangements zu erarbeiten, wobei man die Reihenfolge individuell nach dem Leistungsstand wählen sollte. Die vom Autor selbst eingespielte CD könnte für die Unterrichtspraxis anregend sein: Wenn man die tiefste Stimme von einem Kontrabass spielen bzw. verstärken lässt und die Melodie stellenweise durch ein Melodieinstrument noch hervorhebt, könnte der Klavierschüler zusätzliche Freude an diesen Popsongs gewinnen. [wbr]