Wo Schneewittchen rockt … und die Zwerge rappen

musikschulwelt besuchte das Musical »SnoWhite« an der Oper Bonn

An der Oper Bonn wird zurzeit Schneewittchen wiederbelebt (musikschulwelt berichtete) – und das ebenso kurzweilig wie stimmgewaltig. Mit »SnoWhite« schuf das Kreativduo Frank Nimsgern (Musik) und Frank Felicetti (Text) eine zeitgemäße Musicalversion des Grimm’schen Märchens, die den bekannten Märchenplot mit unterhaltsamen Zutaten versetzt – ohne dabei gewaltsam das Original auf links zu drehen. Den übersichtlichen Spannungsbogen der literarischen Vorlage freilich vermag auch diese Bühnenversion nicht zu steigern – nach der Pause wird die Luft aus dramaturgischer Sicht spürbar dünn.

Frank Felicetti als Zwerg Minitou und Michaela Kovarikova als Snowhite (© Lilian-Szokody, Theater Bonn)

Dafür aber hält die – übrigens sehr tanzfreudige – Zwergenschar den Unterhaltungswert bis zum Schluss ungebrochen hoch: wahrlich eine Truppe mit echten Comedy-Qualitäten. Das wiederum hat zur Folge, dass sich »SnoWhite« als Zwitter zwischen Rockmusical und Musikcomedy präsentiert. Dieser Eindruck verfestigt sich durch die sehr tanzlastige Bühnendarstellung, die zuweilen hörbar auf Kosten der musikalischen Ausführung geht.

Zwischendurch Rasierklingen-Gänsehaut

Moderner (Rock-)Musicalsound in Reinkultur liefert die großartige (eigentliche) Hauptpartie der Königin in Person von Aino Laos: Rasierklingen-Gänsehaut löst etwa ihr Song »Mach dich schön« aus, und auch sonst setzt sie die wesentlichen schauspielerischen wie musikalischen Akzente. Die Rolle von Schneewittchen ist, durchaus der Vorlage entsprechend, ziemlich blass – freilich lässt sich mit einem vergifteten Apfelstück im Hals auch schlecht singen.

Die zweite große Hauptpartie des Jägers bleibt dagegen seltsam unintegriert, so als habe er sich in diese Szenerie verirrt. Seine mäßige gesangliche Leistung irritierte zusätzlich auf der Bonner Opernbühne, wo sich ja sonst tagtäglich wahre Stimmartisten die Klinke in die Hand geben. Womöglich aber war der eigentlich ja renommierte John Davies an diesem Abend einfach nur indisponiert.

Aino Laos als Königin (© Lilian-Szokody, Theater Bonn)

Endlich einmal Live-Musik

Großartig hingegen die Sieben-Mann-Band, die das Bühnengeschehen in Bonn live begleitet. Das erlebt man mittlerweile nur noch selten in Zeiten der Musicalorchester-Konserve vom Band. Die Musik an sich ist dem dramaturgischen Konzept entsprechend stilistisch vielfältig und handwerklich perfekt. Ohrwürmer natürlich inklusive, etwa »Frei wie der Wind« oder aber die köstliche Nummer »Das Schärfste der Berge« (Wetten, Sie pfeifen den Song auf dem Nachhauseweg ganz automatisch?).

musikschulwelt meint: Die Bonner Oper präsentiert mit »SnoWhite« ein Familienmusical im besten Sinne: Harte und softe Klänge, Romantik und Humor, für jeden ist etwas dabei. Wenn man also nicht den emotionalen Musical-Blockbuster erwartet und die Abwechslung dem großen Bogen vorzieht, für den ist hier beste Unterhaltung garantiert. Und das nicht zu überhöhten Musical-, sondern zu Opernpreisen! Wer allerdings in Erinnerung an das großartige Bonner Nimsgern-Musical »Der Ring« (2007/08) Vergleichbares erwartet, wird mit gemischten Gefühlen den Opernsessel verlassen.

Noch bis Ende April 2013 wird »SnoWhite« in der Oper Bonn gespielt. Die nächsten Aufführungen sind für den 10.11. und 23.11. angekündigt, im Dezember dann am 23.12. sowie zwei Vorstellungen am Silvestertag. Insgesamt elf weitere Termine für das kommende Jahr sind auf der Website der Oper (s.u.) einsehbar. Die Kartenpreise liegen zwischen 14,30 und 49,50 EUR.

Information: www.theater-bonn.de

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