Langsamstes Musikstück der Welt

Die John Cage Orgel (CC BY-SA 4.0, Clemens Franz)

Wer Sachsen-Anhalt besucht oder dort wohnt, sollte mal nach Halberstadt fahren. Dort wird seit 2001 das langsamste und wohl auch längste Musikstück der Welt aufgeführt: Die Komposition „Organ²/ASLP (as slow as possible)“ des amerikanischen Avantgardekomponisten John Cage (1912-1992) ist sage und schreibe auf 639 Jahre angelegt. Sie hören das Stück in der Burchardikirche in Halberstadt auf einer speziell für das Musikstück gebauten kleinen Orgel. Bisher gab es 13 Klangwechsel, zuletzt im Jahr 2013. Der nächste Klangwechsel wird am 5. September 2020 als inszeniertes Event erfolgen.

Zum Hintergrund: 1361 wurde in Halberstadt von Nikolaus Faber eine Blockwerksorgel als erste Großorgel der Welt gebaut. Sie stand im Dom und hatte als Neuerung eine 12-tönige Klaviatur. Das Schema dieser Klaviatur war und ist richtungsweisend für die Tasteninstrumente bis in unsere Gegenwart. Das Projekt ist eine Reminiszenz an dieses Datum.

Städteranking: Große Unterschiede der Musikschüler-Dichte

Bochum und Dortmund haben die meisten Musikschüler*innen und Musikstudierenden pro 1000 Einwohner

Das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut hat 2018 zusammen mit der Berenberg-Privatbank erneut ein Städte-Ranking für den Kulturbereich veröffentlicht. Darunter findet sich auch eine Übersicht über die Zahl der Schüler*innen an öffentlichen Musikschulen und Studierenden an staatlich anerkannten Kunst- und Musikhochschulen. Die 30 größten deutschen Städte wurden einbezogen.

Es zeigt sich weiterhin, dass im Bereich der musikalischen Bildung der Nachwuchs regional sehr ungleichmäßig verteilt ist: Inzwischen führen Bochum und Dortmund die Liste mit 43 bzw. 28 Schülern/Studierenden  pro 1000 Einwohner anan. 2012 waren noch Münster und Essen auf den ersten Rängen. Mannheim bleibt stabil auf Platz drei (27). Die Großstadt Berlin liegt mit 18 Schüler*innen und Studierenden auf 1000 Einwohner noch im ersten Drittel. Am unteren Ende der Liste finden sich München, Bremen und Gelsenkirchen. Das Schlusslicht des Jahres 2012, Hamburg, konnte sich deutlich auf 15 Schüler*innen und Studierende pro 1000 Einwohner steigern.

Innovativen Schulmusik-Lehrern winkt Preisgeld


Europäischer Schulmusikpreis feiert sein zehnjähriges Jubiläum!

Ende Juni 2019 war der Ausschreibungsstart für das Jahr 2020. Die SOMM Society Of Music Merchants e.V. vergibt in sechs Kategorien insgesamt 21.000 €. Gesucht werden bis Ende Februar 2020 innovative Beispiele für kreatives methodisches Arbeiten an allgemeinbildenden Schulen in den Sparten Klassenunterricht und Arbeitsgemeinschaften, mittels derer die Motivation, Eigentätigkeit und -verantwortung sowie die Teamfähigkeit von Kindern und Jugendlichen auf besondere Weise gefördert wird. Das aktive Musizieren mit Musikinstrumenten soll dabei im Fokus stehen. Bisher wurden in rund 50 Preisträger-Schulen nahezu 100.000 Schüler erreicht und so der Musikunterricht gezielt gefördert.

Förderung des Singens in Kindergärten

Das Konzept, Senioren als Singpaten in Kindergärten zu entsenden, gibt es inzwischen seit vielen Jahren. Das von Karl Adamek entwickelte Programm »Canto elementar« hat, ausgehend von Nordrhein-Westfalen, in vielen Bundesländern viele hundert Kindergärten erreicht und dabei auch über tausend Singpaten Erzieherinnen eingebunden.

Die Freie und Hansestadt Hamburg hat als erstes Bundesland dieses Projekt mit der Zielstellung der Flächendeckung übernommen. »Canto elementar« hat zudem viele Unterstützer und auch prominente Schirmherren, wie z.B. die Wise Guys, Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen) oder Nena.

Die virtuelle Stimmgabel fürs Handy

Schott bietet kostenlose App zum Stimmen des Instruments

Das Handy als Stimmgabel-Ersatz? Das geht. Mit der kostenlosen Stimmgabel-App für iPhone, iPod Touch und das iPad ist der richtige Ton schnell gefunden. Die Stimmgabel bietet den Kammerton a‘ in verschiedenen Frequenzen und die Oktave von c‘ bis c“. Nach Auswahl der Tonfrequenz muss man das Gerät schütteln: Die generierten Sounds garantieren eine korrekte Ausgabe der gewünschten Frequenz.

Download für iOS:       apps.apple.com
Download für Android: play.google.com

Das sind die abrufbaren Stimmtöne:

Klavierspielen ab Kleinkindalter verändert die Hirnplastizität

GehirnÜberraschende Resultate zu Hirnstrukturen und Hirnfunktionen

Es ist schon lange bekannt, dass intensives Musizieren menschliche Hirnstruktur und Hirnfunktionen verändert. Bislang ging man davon aus, dass die Größe bestimmter Hirnregionen, die für das Hören und für das Bewegen der Hände zuständig sind, mit der Anzahl der in der Kindheit und Jugend geübten Stunden zunimmt, und dass »größer« auch »besser« sei. Eine neue Studie zeigt nun: Früh beginnende Pianisten haben kleinere klavierbezogene Hirnzentren als später beginnende und verfügen über das präzisere Tonleiterspiel.

Organische Voraussetzung für tadellose Tonleitern

Pianisten besitzen im Vergleich zu Nicht-Pianisten größere Zentren, die für das Lernen und Gedächtnis zuständig sind (Hippokampus), die der Automatisierung von Bewegungen dienen (Putamen und Thalamus), die Emotionen und Motivation verarbeiten (Amygdala), und die Hören und Sprachverarbeitung leisten (linker oberer Schläfenlappen).

Instrumentalunterricht 50 plus

Schweizer Forscherteam sammelt Erfahrungsberichte

Ein Instrument (wieder-)erlernen auch in späten Jahren? – ein Schweizer Forschungsprojekt mit dem Titel „Mach dich schlau – Lern- und Lehrstrategien im Instrumentalunterricht 50plus“ ermutigt dazu ausdrücklich! An der Hochschule der Künste Bern hat ein Forscherteam sich mit den Motiven der „Spätlernenden“ beschäftigt und mit den Möglichkeiten und Zielen des Instrumentalunterrichts 50 plus. Die Forscher haben dazu 45 Intensivinterviews geführt: 15 mit musikalischen Anfängern, 15 mit Wiedereinsteigern und 15 mit Lehrenden, die Erwachsene unterrichten. Es zeigt sich: Die Erfahrungen sind vielfältig wie die Menschen – und dazu überwiegend positiv!

Musikalische Frühförderung für alle?!

Kinder frühstmöglich musikalisch zu fördern wird heute von (Musik-) Pädagogen, Lehrern und selbst Politikern vielfach gefordert. Eltern beschäftigt das Thema, da sie ihrem Nachwuchs in der Regel das Beste angedeihen lassen wollen. Im Alltag sehen sie sich hier meist jedoch mit der Aufgabe konfrontiert, die musikalische Förderung selbst zu organisieren. Für Berufstätige bedeutet das zusätzliche Termine zu oft ungünstigen Zeiten. Da zudem Kosten anfallen, müssen viele auch auf Frühförderkurse ganz verzichten.“Warum können Kitas hier nicht Aufgaben übernehmen und alle Kinder gleichermaßen von professionellen musikalischen Förderangeboten profitieren lassen?“ wollte eine Elternvertreterin an einer Münchner Kita wissen.

musikschulwelt  befragt dazu den Experten Prof. Dr. Michael Dartsch (Hochschule für Musik Saar)

musikschulwelt: In seiner Resolution »Musik in Kindertagesstätte und Schule« fordert der Deutsche Musikrat einen durchgängigen fachpädagogischen Musikunterricht für alle. Wie weit sind wir von diesem Ideal entfernt?

Wir sind von diesem Ideal noch recht weit entfernt. Von Erzieherinnen würde man derzeit zu viel erwarten, wenn man ihnen echte musikpädagogische Qualifikationen abverlangen würde, denn ihre Ausbildung wird einer solchen Forderung kaum gerecht. Auch in Grundschulen fehlen überwiegend ausgebildete Fachlehrerinnen und Fachlehrer. Es ist aber leicht einzusehen, dass nur Menschen, die selbst einen Zugang zum Singen, Tanzen und Instrumentalspiel haben, Kinder gewinnbringend hierzu anregen können.

Musik ist die schönste Hauptsache der Welt. In jedem Alter.

Wer musiziert, betreibt Wellness für Seele, Gehirn und Körper. Wir möchten Sie inspirieren und liefern Ihnen dazu die Zutaten: Was, wer, wie, wo, warum, wozu …

Instrumentenwahl: Klavier

Das Klavier und seine ungeahnten Möglichkeiten

Klaviertasten, Tasten, Klavier, Piano

Vielseitigkeit

Das Klavier ist wohl eines der vielseitigsten Instrumente überhaupt und erfreut sich bei Jung und Alt größter Beliebtheit. Egal ob Klassiker wie Beethoven, Mozart, Debussy oder Chopin, Jazz, Blues oder Pop, egal ob gefühlvolle Balladen, fetzige Rocknummern, Filmmusiken oder Eigenkompositionen und freie Improvisationen, egal ob solistisch oder als vielfältig einsetzbares Begleitinstrument: Auf dem Klavier kann man eine geradezu unerschöpfliche Palette von Musikrichtungen und -stilen spielen und so ist garantiert für jeden Musikgeschmack und für jedes Alter etwas dabei.

Der Start

Beginnt man mit dem Klavierspiel, so läuft der Unterricht in der Regel zumeist in immer gleichen Bahnen ab: Nach Tonleitern und anderen Fingerübungen sowie ersten simplen Kinder- bzw. Volksliedern werden zunächst einfache, dann Stücke mit stetig steigendem (technischen) Anspruch aus dem klassischen Repertoire erarbeitet. Auch wer in seiner Freizeit nicht unbedingt Klassik hört, sollte sich diesem Genre beim Klavier zunächst zuwenden, da man hier am besten die wichtigsten Grundlagen fürs Klavierspielen erlernen kann. Hat man ein gewisses technisches Level erreicht, steht einem die ganze musikalische Welt offen und man kann dem Wunsch nach Erweiterung seines Repertoires bzw. nach einer Vertiefung einer bestimmten Musikrichtung, sei es Pop, Rock, Jazz oder Filmmusik, problemlos nachgehen. Fast zu jedem populären Stück gibt es mittlerweile ein bereits vorgefertigtes Klavierarrangement. Ist dies (noch) nicht der Fall, so kann das Klavier als wunderbares Werkzeug dienen, um zur Melodie seines persönlichen Lieblingssongs durch Ausprobieren und ganz ohne Hemmungen im stillen Kämmerlein selbst die passenden Akkorde zu finden oder gar ein ganz eigenes Arrangement zu schreiben. Sich selbst dann irgendwann zu seinem eigenen Gesang am Klavier begleiten zu können, hat eine geradezu befreiende Wirkung und tut der Seele in allen Lebenslagen ungeheuer gut.

Häufigkeit des Übens von Kindern ermittelt

Die aktuelle Kinder-Medien-Studie 2019 von drei Kinderzeitschriften-Verlagen sowie der Verlage Gruner und Jahr, Spiegel und ZEIT-Verlagsgruppe weist auch Ergebnisse zum Musizieren aus. Danach spielen 48 Prozent aller Kinder zwischen 6 und 13 Jahren ein eigenes Instrument/musizieren sie. Unter den Mädchen ist dieser Anteil mit 54 Prozent höher als unter den Jungen mit 42,4 Prozent.

Von den musizierenden Kindern üben allerdings nur 5,9 Prozent täglich. Mehrmals pro Woche sind die Mädchen (37,5%) fleißiger als die Jungen (30%), auch unter den einmal wöchentlich Übenden liegen die Mädchen mit 25 Prozent vor den Jungen mit 23 Prozent. Entsprechend antworten 41 Prozent der Jungen, sü würden seltener als einmal wöchentlich üben, unter der Mädchen sind dies 31 Prozent.

Befragt wurden in Doppelinterviews mit einem Elternteil 2.000 Jungen und Mädchen. Eigene Berechnungen von musikschulwelt.de auf der Basis der Angaben in der Kinder-Medien-Studie 2019, S. 53 Berichtsband.

Igor Strawinskys »Petruschka« erklicken

Bühnenbild der Uraufführung 1911 von Alexander Benois

Online kostenlos Partiturlesen, Musikhören u.v.m. für Anfänger und Fortgeschrittene

Eine multimedial aufbereitete Partitur ermöglicht es Musikinteressierten mit unterschiedlichen Vorkenntnissen, in die Geheimnisse von Strawinskys „Petruschka“-Musik einzudringen und ausgewählte Werkausschnitte interaktiv zu entdecken. Neben zahlreichen multimedialen Kommentareinträgen sowie Video-Einführungen von Pierre Boulez verfügt die interaktive Partitur auch über eine Instrumentenauswahl-Funktion. Mit ihrer Hilfe kann der Nutzer die Klangwelt des Orchesters von innen kennen lernen, können aber auch Musikpädagogen Kindern das Werk vermitteln.

Die Ballettmusik »Petruschka« ist eine der berühmtesten Tanzkompositionen des 20. Jahrhunderts. Dieses »Ballett der Straße« erlebte vor 100 Jahren am 13. Juni 1911 in Paris seine Uraufführung – und das damalige Publikum war restlos begeistert. Die Handlung spielt auf einem St. Petersburger Jahrmarkt im Jahre 1830, wie der Komponist erläutert: »Als Schauplatz wählten wir den Marktplatz mit seiner Menschenmenge, seinen Buden und den Zauberkünsten der Taschenspieler. Plötzlich erwachen die drei Puppen des Gauklers zum Leben: Petruschka, sein Rivale der Mohr und die Ballerina – und dann läuft das Drama ab …« Zu diesem Jahrhundertwerk hat das Klavier-Festival Ruhr eine umfangreiche Website erstellt, die Kindern wie Lehrern auf spannende und informative Weise die Komposition näherbringt.

Instrumentalunterricht – die Alternativen

Wo findet in Deutschland Instrumentalunterricht statt? In den Regelschulen üblicherweise nicht, weil das Schulfach „Musik“ überwiegend musiktheoretisch ausgerichtet ist. Weder das Singen noch das Spielen eines Instrumentes werden hier erlernt, es sei denn beim Klassenmusizieren. Doch das bieten nur wenige Schulen an.

Zu diesen Ausnahmen können Sie hier weiterlesen und – zunächst für NRW – haben wir für Sie Regelschulen mit Musikklassen zusammengestellt.

Wer seinem Nachwuchs also jenseits vom Klassenmusizieren eine praktische musikalische Bildung ermöglichen will, oder aber selber ein Instrument erlernen möchte, muss dies selbst organisieren und finanzieren. Hierbei können Sie zwischen unterschiedlichen Anbietern wählen.

Es gibt zur Auswahl:

  1. öffentliche Musikschulen
  2. private Musikschulen
  3. selbständige Musikpädagogen
  4. Musikvereine
  5. Musikfreizeiten als Kompaktangebote

Die Unterschiede

Musikverbände – diesmal: Musikschulen und Lehrkräfte

In Deutschland haben sich die Akteure des Musizierens in vielfältigen Vereinen und Verbänden organisiert. Musikschulwelt wird Ihnen zukünftig wichtige und interessante Organisationen vorstellen. Grob gesehen gibt es drei Kategorien von Verbänden: Solche der Musizierenden, Verbände der Musik Unterrichtenden und schließlich Verbände der Musikindustrie. Wir beginnen mit fünf Verbänden, die eine klare Ausrichtung auf den Musikunterricht aufweisen.

Die öffentlichen gemeinnützigen Musikschulen haben sich im VdM Verband deutscher Musikschulen e.V. in 16 Landesverbänden zusammengeschlossen

Musikalische Bildung für alle – Musikklassen und ihre Konzepte I

Schulischer Musikunterricht – vom Nebenfach zur Königsdisziplin

Jahrzehntelang fristete der Musikunterricht an den Schulen der Bundesrepublik ein Mauerblümchen-Dasein. Geschätzt allenfalls als dekoratives Beiwerk war er häufig erstes Opfer bei Stundenkürzungen und Einsparungen. Lehrpläne und Unterrichtsmethoden haben diese Randständigkeit eher noch zementiert.
Die heutige Elterngeneration erinnert sich an Musikstunden, die neben ein wenig Singen in erster Linie Zuhören bedeuteten: entweder in Form von Frontal-Unterricht in Musiktheorie oder als Vorspiel von Musikstücken auf dem Klavier bzw. der Stereoanlage.

Seit einigen Jahren hat ein radikales Umdenken stattgefunden.

Zwischen 1992 und 1998 wurde an Berliner Grundschulen eine Langzeitstudie durchgeführt und im Jahr 2000 veröffentlicht. Diese Studie „Musik(erziehung) und ihre Wirkung“  von Hans Günther Bastian konnte zeigen, dass sich intensiver Musikunterricht und gemeinsames Musizieren rundum positiv auswirken:

Für den einzelnen Schüler wie für den gesamten Klassenverband und nicht nur im musikalischen sondern auch in anderen Lernbereichen.

Die genannte Langzeitstudie und weitere ähnliche Studien stellen unter anderem folgende Effekte heraus:

100 db gegen den Berufsstress

Moore and More (6)[Beruf: Richter | Hobby: Keyboarder]

musikschulwelt spricht mit Dr. Frank Altpeter, hauptberuflicher Richter am Amtsgericht Köln, über seine Leidenschaft als Keyboarder und Sänger der Rockband »Moore and More«.

Dr. Frank Altpeter (57) spricht tagtäglich Recht am Amtsgericht in Köln … wenn er sich nicht gerade durch Aktenberge wühlt, um seine Fälle im Allgemeinen Strafrecht vorzubereiten. Ein ebenso zeitintensiver wie verantwortungsreicher Beruf, der wenig Freizeit übrig lässt. Dennoch hat es sich Frank Altpeter nicht nehmen lassen, seine Begeisterung für das aktive Musizieren aus Jugendtagen ins Berufsleben hinüberzuretten: heute als Keyboarder und Sänger der Cover-Rockband »Moore and More«.

musikschulwelt: Ein Richter am Keyboard einer Rockband: Wie hat Ihr Dienstherr auf dieses öffentlich ausgeübte Hobby reagiert?

F.A.: Der Dienstherr war – und ist – begeistert und unterstützt mich wohlwollend. Immerhin hat es auch jede Menge positive Publicity gegeben, als wir in der JVA Ossendorf gespielt und Presse und Fernsehen darüber berichtet haben. Nach vieler Schelte hat das Gericht endlich mal wieder gut dagestanden. Jeweils im November haben wir unser »Heimspiel« im Kölner Yard Club, wo dann auch das Amtsgericht zahlreich vertreten ist.

Eine klassische Musikschulkarriere

musikschulwelt: In welchem Alter haben Sie denn Geschmack am Musizieren gefunden?

F.A.: Meine musikalische Ausbildung war klassisch und umfassend: Mit 5 in den Elementarunterricht samt Blockflötenkurs für drei Jahre. Danach der Umstieg – erst auf Altflöte, danach auch Tenor- und Bassflöte zur Unterstützung des Musikschulorchesters. Ab 8 dann klassische Klavierausbildung für insgesamt etwas mehr als zehn Jahre. Damals war übrigens an Rockmusik im Unterricht gar nicht zu denken – es gab nur Czerny, mein persönliches Hassobjekt ;-), Beethoven u. Ä. Daneben gab es an der Musikschule die musiktheoretische Weiterbildung in Harmonielehre, Kompositionslehre und Gehörbildung – ich habe einfach alle weiterführenden Kurse besucht, die angeboten wurden. Schuld daran war Hermann Gehlen, eigentlich ein professioneller Big-Band-Leader, der an der Jugendmusikschule lehrte und einem unheimlich viel Spaß an der Theorie vermitteln konnte. Besonders die Gehörbildung war einfach toll: Im Radio einen Song hören und quasi sofort nachspielen können – das hat mächtig Eindruck gemacht. Elton John war damals ein dankbares Opfer, ebenso wie Supertramp 🙂

In der Oberstufe folgte dann meine Ausbildung zum »Feuerwehrmann« im Schulorchester: Wann immer es irgendwo brannte, gab es einen Crashkurs für mich, damit ich aushelfen konnte. Dadurch hatte ich Kontakt mit zahllosen Intrumenten, am meisten noch mit dem Schlagzeug und Blasinstrumenten. Gesangsunterricht nahm ich erst ab 2007, als »Moore and More« (weitere Infos und aktuelle Auftrittstermine finden sich auf der Band-Homepage & Facebook) entstand und ich einfach besser singen können wollte.