Außergewöhnliches Musical-Projekt in Münster

Deutsche Erstaufführung des Broadway-Erfolgs »Parade« durch  das Freie Musical-Ensemble Münster e.V.

Für den November 2017 kündigt das Freie Musical-Ensemble Münster e.V. seine neueste Produktion an: Mit »Parade« von Jason Robert Brown (Musik) und Alfred Uhry (Text) bringt es als deutsche Erstaufführung (dt. Texte: Ingo Budweg) ein Musical auf die Bühne, das sich vor dem historischen Hintergrund der USA in den 1910er-Jahren und der wahren Geschichte um den jüdischen Fabrikbesitzer Leo Frank mit zeitlosen Aspekten wie Gruppenzwang, Lynchjustiz und Antisemitismus beschäftigt. Nach seiner Premiere am Broadway im Jahr 1998 war »Parade« mit zwei »Tony Awards« (Best Book und Best Original Score) sowie sechs »Drama Desk Awards« ausgezeichnet worden.

Mitwirkung von Laien ausdrücklich erwünscht

Das Besondere bei diesem Projekt unter der Gesamtleitung von Ingo Budweg ist die komplette ehrenamtliche Tätigkeit des Kreativteams sowie die Mitwirkung von ambitionierten Laien – das alles jedoch mit hohem professionellem Anspruch und großer Erfahrung, denn:

Klavierspielen ab Kleinkindalter verändert die Hirnplastizität

GehirnÜberraschende Resultate einer gemeinsamen Studie der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) und der Cognition and Brain Plasticity Unit of Barcelona

Es ist schon lange bekannt, dass intensives Musizieren menschliche Hirnstruktur und Hirnfunktionen verändert. Bislang ging man davon aus, dass die Größe bestimmter Hirnregionen, die für das Hören und für das Bewegen der Hände zuständig sind, mit der Anzahl der in der Kindheit und Jugend geübten Stunden zunimmt, und dass »größer« auch »besser« sei. Eine neue Studie zeigt nun: Früh beginnende Pianisten haben kleinere klavierbezogene Hirnzentren als später beginnende und verfügen über das präzisere Tonleiterspiel.

Organische Voraussetzung für tadellose Tonleitern

Pianisten besitzen im Vergleich zu Nicht-Pianisten größere Zentren, die für das Lernen und Gedächtnis zuständig sind (Hippokampus), die der Automatisierung von Bewegungen dienen (Putamen und Thalamus), die Emotionen und Motivation verarbeiten (Amygdala), und die Hören und Sprachverarbeitung leisten (linker oberer Schläfenlappen).

Instrumentalunterricht 50 plus

Schweizer Forscherteam sammelt Erfahrungsberichte

Ein Instrument (wieder-)erlernen auch in späten Jahren? – ein Schweizer Forschungsprojekt mit dem Titel „Mach dich schlau – Lern- und Lehrstrategien im Instrumentalunterricht 50plus“ ermutigt dazu ausdrücklich! An der Hochschule der Künste Bern hat ein Forscherteam sich mit den Motiven der „Spätlernenden“ beschäftigt und mit den Möglichkeiten und Zielen des Instrumentalunterrichts 50 plus. Die Forscher haben dazu 45 Intensivinterviews geführt: 15 mit musikalischen Anfängern, 15 mit Wiedereinsteigern und 15 mit Lehrenden, die Erwachsene unterrichten. Es zeigt sich: Die Erfahrungen sind vielfältig wie die Menschen – und dazu überwiegend positiv!

Musikalische Frühförderung für alle?!

Kinder frühstmöglich musikalisch zu fördern wird heute von (Musik-) Pädagogen, Lehrern und selbst Politikern vielfach gefordert. Eltern beschäftigt das Thema, da sie ihrem Nachwuchs in der Regel das Beste angedeihen lassen wollen. Im Alltag sehen sie sich hier meist jedoch mit der Aufgabe konfrontiert, die musikalische Förderung selbst zu organisieren. Für Berufstätige bedeutet das zusätzliche Termine zu oft ungünstigen Zeiten. Da zudem Kosten anfallen, müssen viele auch auf Frühförderkurse ganz verzichten.“Warum können Kitas hier nicht Aufgaben übernehmen und alle Kinder gleichermaßen von professionellen musikalischen Förderangeboten profitieren lassen?“ wollte eine Elternvertreterin an einer Münchner Kita wissen.

musikschulwelt  befragt dazu den Experten Prof. Dr. Michael Dartsch (Hochschule für Musik Saar)

musikschulwelt: In seiner Resolution »Musik in Kindertagesstätte und Schule« fordert der Deutsche Musikrat einen durchgängigen fachpädagogischen Musikunterricht für alle. Wie weit sind wir von diesem Ideal entfernt?

Wir sind von diesem Ideal noch recht weit entfernt. Von Erzieherinnen würde man derzeit zu viel erwarten, wenn man ihnen echte musikpädagogische Qualifikationen abverlangen würde, denn ihre Ausbildung wird einer solchen Forderung kaum gerecht. Auch in Grundschulen fehlen überwiegend ausgebildete Fachlehrerinnen und Fachlehrer. Es ist aber leicht einzusehen, dass nur Menschen, die selbst einen Zugang zum Singen, Tanzen und Instrumentalspiel haben, Kinder gewinnbringend hierzu anregen können.

Hilfe, ich bin heiser! – Soforthilfe für die Stimme (Teil 1/4)

Heiserkeit1a

»Des Sängers Fluch«. Karikatur von Johannes Dropmann (© Redaktion ALUAN)

musikschulwelt’s Sänger-Ratgeber für die kalte Jahreszeit

»Bleibt mir bloß alle gesund!« Mit diesen Worten verabschiedet sich so manch geplagter Chorleiter kurz vor einem anstehenden Konzert. Aber oft schon der Gedanke daran, dass man ausgerechnet jetzt krank werden könnte, lässt manchen Sänger schwer schlucken. Und spätestens zwei Tage vor dem Konzert wacht er mit Halsschmerzen auf und bekommt keinen Ton mehr heraus. Ein halbes Jahr proben – und jetzt alles umsonst?

Die Psyche singt mit
Selbst erfahrene Sängerinnen und Sänger kennen dieses Phänomen: Kurz vor dem Konzert treten plötzlich ganz unerklärlich Halsschmerzen auf.

FSJ an der Musikschule

Logo BocholtDie Musikschule Bocholt-Isselburg-Rhede bietet erneut einen Platz junge Leute an, die ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ (FSJ) im Bereich Kultur ableisten wollen. Die Begleitung der Proben des Kindermusicals, die Organisation und Durchführung von Konzerten und diversen Veranstaltungen zählen zum Aufgabenbereich der freiwillig Engagierten. Hinzu kommen einfache Verwaltungstätigkeiten. Bewerben können sich junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren. Die Bewerbung ist unabhängig von einem Schulabschluss oder bereits begonnenen bzw. abgebrochenen Ausbildungen oder Studiengängen. Vielmehr kommt es auf das Interesse und die Motivation an.

14 Millionen Freizeit-Musiker in Deutschland

mizDas Musikinformationszentrum (MIZ) des Deutschen Musikrats hat es einmal genauer beziffern wollen und eine Vielzahl von Statistiken ausgewertet: Mindestens 14 Millionen Menschen spielen in Deutschland in ihrer Freizeit ein Instrument oder singen in einem Chor – eine deutliche „Dunkelziffer“ nach oben hin muss dabei angenommen werden, weil die Datenlage nicht die gesamte Bevölkerung erfasst.

Unter dem etwas unschönen Begriff „Laienmusizieren“ wurden vom MIZ jedoch Daten zusammengetragen, mit denen die Bedeutung der Musik im Alltagsleben vieler Menschen eindrucksvoll belegt wird: rund 13 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren – das sind rund 9 Millionen – spielt ein Instrument. Hinzu kommen 4 Millionen Chorsänger. Beide Gruppen überschneiden sich, da Musikbegeisterte nun einmal häufig beides tun… Also beläuft sich die Summe der Musizierenden ab 14 Jahren insgesamt auf rund 12 Millionen. Hinzu kommen hochgerechnet mindestens 2 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 2 und 13 Jahren, die regelmäßig singen, ein Instrument spielen oder sich anderweitig musikalisch betätigen.

»Celloversum« – so cool kann Cellospielen sein!

Foto: Alexander Reischert

Foto: Alexander Reischert

Lara Vogel (14 Jahre) berichtet über ihre Teilnahme an dem diesjährigen Workshop »Celloversum« der Rheinischen Musikschule Köln (der 2014 bereits zum 12. Mal stattfand). Hierfür finden sich jeweils an vier Wochenenden im Frühjahr rund 50 junge Cellistinnen und Cellisten zusammen, um als »Cello Big Band« gemeinsam zu musizieren. Die Dozenten Ulrike und Gunther Tiedemann organisieren und leiten die Proben, wofür Gunther im Vorfeld bekannte Songs und Hits arrangiert – und zudem auch neue Spieltechniken entwickelt: Die Teilnehmer zeigen sich davon regelmäßig verblüfft und begeistert …

Es war Herr Tiedemann mit seiner Cello Big Band, der mich vor sieben Jahren überzeugte, mit dem Instrument Cello anzufangen. Ich erinnere mich noch genau, wie ich auf den gelben Bänken in der Musikhochschule Köln saß und mich an die Stelle der Cellisten auf der Bühne träumte, die mich schon damals mit ihrem coolen Auftreten als auch mit ihrer Musik beeindruckten … und die Vorstellungen meiner Eltern vom Cello als reinem „Klassik-Instrument“ widerlegten. Drei Jahre später sollte ich selbst dann auf der Bühne der Musikhochschule sitzen.

»Wozu gibt es Grenzen? Um sie zu überschreiten …«

Interview zur deutschen Erstaufführung von »Parade« durch das Freie Musical-Ensemble Münster e.V.

Das Freie Musical-Ensemble Münster e.V. (FME) bringt seit vielen Jahren mit ehrenamtlichen Laien-Darstellern und -Musikern einzigartige und hochambitionierte Musicalproduktionen auf die Bühne. 2017 steht nun die deutsche Erstaufführung des mit zwei »Tony Awards« ausgezeichneten Broadway-Erfolgs »Parade« (Premiere 10.11.) an. Mit den beiden Hauptverantwortlichen, dem künstlerischen Gesamtleiter Ingo Budweg (I.B.) und der Regisseurin Canan Toksoy (C.T.), spricht musikschulwelt über die Realisation eines solchen Projekts jenseits des professionellen Musiktheaterbetriebs.

musikschulwelt: Was ist es, das Sie antreibt, solch große Musiktheaterprojekte mit Laien anzugehen?

C.T.: Ohne Enthusiasmus und Herzblut eines jeden Einzelnen wäre es nicht möglich, ein solches Projekt auf die Beine zu stellen. Gerade die Tatsache, dass es nicht ein Job ist, mit dem man seine Brötchen verdienen muss, sondern etwas, bei dem man seine Leidenschaft ausleben kann, macht es zu etwas Besonderem. Tatsächlich verbringen wir einen Großteil der Freizeit, Wochenenden, Abenden und Feiertagen mit Probenzeit.

I.B.: Man wächst immer an seinen Aufgaben und Herausforderungen. Nach 18 Jahren ist auch schon ein großer Erfahrungsschatz vorhanden, aus dem man schöpfen kann. Selbstverständlich ist gerade in diesem Jahr – durch den hohen Schwierigkeitsgrad der Musik – eine hohe Probendisziplin erforderlich. Aber wir legen zugleich auch immer sehr großen Wert darauf, dass der Spaß am Projekt nicht zu kurz kommt.

Probenimpressionen ©FME e.V. 2017

musikschulwelt: Woher kommen die Mitwirkenden?

C.T.: Das FME setzt sich aus Mitgliedern verschiedenster Sparten zusammen: Berufstätige wie Lehrer, Ärzte, Juristen, Krankenpfleger, Studenten und auch Rentner. Letztendlich kann bei uns jeder mitmachen, der Spaß an und Begeisterung für Musik, Schauspiel und Tanz hat. Wir zeichnen uns dadurch aus, dass jeder sein besonderes Talent in das Projekt mitbringt und sich dort verwirklichen kann. Gerade das ist unbezahlbar und lockt jedes Jahr auch immer wieder neue Mitglieder an.

I.B.: Niemand erhält eine Gage! Die Leute kommen zum FME, um gemeinsam ihrer Leidenschaft – der Musik – nachzugehen und auf der Bühne eine bewegende Geschichte zu erzählen. Hier sind alle mit Herzblut dabei, und dies entspricht seit jeher unserer Philosophie.

Unsere Mitglieder sind keine Profis, sondern alle Teilnehmer engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich. Gleichwohl sind wir darum bemüht, stets auf einem sehr hohen Niveau zu arbeiten, und investieren dafür neben den »normalen« Chorproben auch viel Zeit in Stimmbildungs- und Schauspielübungen sowie in Fitnesstraining der Teilnehmer.

Jeder ist hier gleichermaßen wichtig – vom Studenten bis zum Rentner

musikschulwelt: Dann liegt ein Schwerpunkt bei Ihrer Musicalauswahl auf großen Ensemblenummern?

I.B.: Das Herzstück unseres Ensembles ist immer der Chor. Zwar gibt es natürlich in jedem Stück Hauptrollen, die solistisch besetzt werden, aber die Philosophie unseres Ensembles ist eigentlich, dass es ein großes Miteinander sein soll, in dem jeder Teilnehmer gleichermaßen wichtig ist. Daher kommen für uns nur solche Musical-Projekte in Betracht, die viele Chor-Nummern beinhalten.

Komponieren – eine Leidenschaft ohne Altersgrenze

Der 1. Preis ging an Tina Ternes (©Foto: Marco Schnorr).

15- bis 63-jährige Komponistinnen haben beim Intern. Kompositionswettbewerb »Aufbruch« teilgenommen

Gesucht war ein 10-minütiges Werk für klassisches Blechbläserquintett (2 Trompeten, Horn, Posaune und Tuba), wahlweise U- oder E-Musik, mit mittlerem Schwierigkeitsgrad. Dafür hatte der Furore Verlag Ende 2016 in Kooperation mit dem Zentrum Militärmusik der Bundeswehr erstmals diesen Wettbewerb für Komponistinnen ausgeschrieben.

Aus den zahlreichen Einsendungen von Komponistinnen im Alter von 15(!) bis 61 Jahren aus Deutschland, England, Frankreich, Schottland, der Schweiz und den USA hat eine fünfköpfige Jury nun die drei Siegerinnen ermittelt:

Musikalische Bildung für alle – Musikklassen und ihre Konzepte I

Schulischer Musikunterricht – vom Nebenfach zur Königsdisziplin

Jahrzehntelang fristete der Musikunterricht an den Schulen der Bundesrepublik ein Mauerblümchen-Dasein. Geschätzt allenfalls als dekoratives Beiwerk war er häufig erstes Opfer bei Stundenkürzungen und Einsparungen. Lehrpläne und Unterrichtsmethoden haben diese Randständigkeit eher noch zementiert.
Die heutige Elterngeneration erinnert sich an Musikstunden, die neben ein wenig Singen in erster Linie Zuhören bedeuteten: entweder in Form von Frontal-Unterricht in Musiktheorie oder als Vorspiel von Musikstücken auf dem Klavier bzw. der Stereoanlage.

Seit einigen Jahren hat ein radikales Umdenken stattgefunden.

Zwischen 1992 und 1998 wurde an Berliner Grundschulen eine Langzeitstudie durchgeführt und im Jahr 2000 veröffentlicht. Diese Studie „Musik(erziehung) und ihre Wirkung“  von Hans Günther Bastian konnte zeigen, dass sich intensiver Musikunterricht und gemeinsames Musizieren rundum positiv auswirken:

Für den einzelnen Schüler wie für den gesamten Klassenverband und nicht nur im musikalischen sondern auch in anderen Lernbereichen.

Die genannte Langzeitstudie und weitere ähnliche Studien stellen unter anderem folgende Effekte heraus:

  • Steigerung sozialer Kompetenz und Teamfähigkeit
  • Emotionale Stabilität, Verminderung von Aggressionen und Gewalt
  • Verbesserung der kognitiven Entwicklung
  • Höhere Konzentrationsleistungen
  • Steigerung der Kreativität

In den Medien und auch in der Bildungspolitik haben solche Erkenntnisse große Resonanz ausgelöst. Die musikalische Erziehung wird seitdem neu bewertet als eine Form universaler Förderung der kindlichen Entwicklung. Und es hat sich auch die Einschätzung durchgesetzt, dass diese musikalische Grundlage mit aktiven Tun einhergehen muss und möglichst früh gelegt werden sollte.

„Musikalische Bildung für alle“ ist eine beliebte bildungspolitische Zielsetzung geworden. Sie erfordert aber neue musikpädagogische Konzepte und gewaltige finanzielle Anstrengungen. Instrumentalunterricht ist und bleibt kostenintensiv und war nicht von ungefähr bislang ein Privileg des bildungsbürgerlichen Nachwuchses. Programme wie „JeKi – Jedem Kind ein Instrument“ an Grundschulen in NRW und Konzepte für Musikklassen an weiterführenden Schulen (z.B. „Klasse im Puls“ in Bayern), haben zum Ziel, möglichst viele Kinder – gerade auch solche, die sozial benachteiligt sind und/oder Lernprobleme haben – zu erreichen.

Eltern sehen sich bei der Einschulung oder beim Übertritt an die weiterführende Schule häufig vor die Wahl gestellt, ihre Kinder in Musikklassen anzumelden. Viele Schulen haben auf den oben geschilderten Trend reagiert und Musikklassen eingerichtet. Die Konzepte ähneln sich hier zwar, dennoch gibt es bislang keine definierten Standards für Musikklassen – die Schulen befinden sich vielfach noch in einer Experimentierphase. Und den Familien wird bei allen Bemühungen um Förderung und Sponsoren immer noch ein erheblicher Anteil an den Kosten der musikalischen Förderung abverlangt.

Musikschulwelt hat im Folgenden grundlegende Konzepte für Musikklassen recherchiert. Fortsetzung

100 db gegen den Berufsstress

Moore and More (6)[Beruf: Richter | Hobby: Keyboarder]

musikschulwelt spricht mit Dr. Frank Altpeter, hauptberuflicher Richter am Amtsgericht Köln, über seine Leidenschaft als Keyboarder und Sänger der Rockband »Moore and More«.

Dr. Frank Altpeter (57) spricht tagtäglich Recht am Amtsgericht in Köln … wenn er sich nicht gerade durch Aktenberge wühlt, um seine Fälle im Allgemeinen Strafrecht vorzubereiten. Ein ebenso zeitintensiver wie verantwortungsreicher Beruf, der wenig Freizeit übrig lässt. Dennoch hat es sich Frank Altpeter nicht nehmen lassen, seine Begeisterung für das aktive Musizieren aus Jugendtagen ins Berufsleben hinüberzuretten: heute als Keyboarder und Sänger der Cover-Rockband »Moore and More«.

musikschulwelt: Ein Richter am Keyboard einer Rockband: Wie hat Ihr Dienstherr auf dieses öffentlich ausgeübte Hobby reagiert?

F.A.: Der Dienstherr war – und ist – begeistert und unterstützt mich wohlwollend. Immerhin hat es auch jede Menge positive Publicity gegeben, als wir in der JVA Ossendorf gespielt und Presse und Fernsehen darüber berichtet haben. Nach vieler Schelte hat das Gericht endlich mal wieder gut dagestanden. Jeweils im November haben wir unser »Heimspiel« im Kölner Yard Club, wo dann auch das Amtsgericht zahlreich vertreten ist.

Eine klassische Musikschulkarriere

musikschulwelt: In welchem Alter haben Sie denn Geschmack am Musizieren gefunden?

F.A.: Meine musikalische Ausbildung war klassisch und umfassend: Mit 5 in den Elementarunterricht samt Blockflötenkurs für drei Jahre. Danach der Umstieg – erst auf Altflöte, danach auch Tenor- und Bassflöte zur Unterstützung des Musikschulorchesters. Ab 8 dann klassische Klavierausbildung für insgesamt etwas mehr als zehn Jahre. Damals war übrigens an Rockmusik im Unterricht gar nicht zu denken – es gab nur Czerny, mein persönliches Hassobjekt ;-), Beethoven u. Ä. Daneben gab es an der Musikschule die musiktheoretische Weiterbildung in Harmonielehre, Kompositionslehre und Gehörbildung – ich habe einfach alle weiterführenden Kurse besucht, die angeboten wurden. Schuld daran war Hermann Gehlen, eigentlich ein professioneller Big-Band-Leader, der an der Jugendmusikschule lehrte und einem unheimlich viel Spaß an der Theorie vermitteln konnte. Besonders die Gehörbildung war einfach toll: Im Radio einen Song hören und quasi sofort nachspielen können – das hat mächtig Eindruck gemacht. Elton John war damals ein dankbares Opfer, ebenso wie Supertramp 🙂

In der Oberstufe folgte dann meine Ausbildung zum »Feuerwehrmann« im Schulorchester: Wann immer es irgendwo brannte, gab es einen Crashkurs für mich, damit ich aushelfen konnte. Dadurch hatte ich Kontakt mit zahllosen Intrumenten, am meisten noch mit dem Schlagzeug und Blasinstrumenten. Gesangsunterricht nahm ich erst ab 2007, als »Moore and More« (weitere Infos und aktuelle Auftrittstermine finden sich auf der Band-Homepage & Facebook) entstand und ich einfach besser singen können wollte.

Blockflöte – die Eier legende Wollmilchsau unter den (Senioren-)Instrumenten

Foto privat

Barbara Hintermeier (Foto privat)

Barbara Hintermeier studierte Blockflöte an den renommierten Hochschulen in München, Basel und Wien, bevor sie in München ein eigenes Blockflötenstudio eröffnete. Die erfahrene Pädagogin ist mit ihrem Kinder-Lehrwerk »Flötenlilli« längst bundesweit bekannt. Nun hat sie sich mit einer Publikation speziell dem Seniorenmusizieren zugewandt – und wurde dafür gleich mit dem Deutschen Musikeditionspreis 2015 ausgezeichnet. musikschulwelt sprach mit ihr über das Image der Blockflöte sowie deren besondere Eignung für Senioren.

musikschulwelt: Die Blockflöte lebt mit einem Imageproblem: Sie ist ein äußerst beliebtes und gefragtes Anfänger- bzw. Kinderinstrument, als solches dann aber im fortgeschrittenen Lebensalter oft auch verschrien. Können Sie sich erklären, wie es zu dieser Rufschädigung »Ihres« Instruments gekommen ist?

Wahrscheinlich genau aus dem Grund, den ich mir jetzt zunutze mache: Man kann schnell ein paar Töne lernen und einfache Stücke spielen. Das führt dazu, dass nicht immer nur Fachlehrkräfte Anfängerkinder unterrichten und oft billige (= schlechte) Instrumente mit unsauberer Intonation und eigenwilligem Klang gekauft werden – dann will man natürlich irgendwann etwas »Richtiges« lernen.

Das schnelle Erfolgserlebnis kann auch ein Problem sein

Aber: Blockflöte ist ein richtiges Instrument, auf dem man mit sehr hohen Ansprüchen musizieren kann, und das nicht nur im Bereich der Barockmusik, sondern auch im Jazz (z.B. »Wildes Holz«) sowie in der Rock- und Popmusik (z.B. mit der »Elody«, einer modernen E-Blockflöte der Firma Mollenhauer) und vielen anderen Bereichen. Wir müssen immer noch sehr am Image der Blockflöte arbeiten – und dafür am besten mit gutem Beispiel vorangehen!