»Meines Schiffes Steuer führ ich«

Margarete Schweikert im Jahre 1909 (Copyright: Christine Voigt)

Margarete Schweikert wurde am 16. Februar 1887 in Karlsruhe geboren. Erste Kompositionsversuche unternahm sie im Alter von zehn Jahren. Am Badischen Konservatorium wurde sie in den Fächern Violine, Musiktheorie und Komposition ausgebildet. Ihre Studien setzte Schweikert in Stuttgart bei Carl Wendling (Geige) und Joseph Haas (Komposition) fort. Genau vor hundert Jahren erschien 1912 ihre erste Liedersammlung im Wunderhorn Verlag München, 1913 wurde das Singspiel für Kinder »Der Froschkönig« in Karlsruhe uraufgeführt.

Eine Musikinstitution in Karlsruhe
Konzertreisen machten sie als Violinvirtuosin und Komponistin in Süddeutschland bekannt. In den 1920er-Jahren veranstaltete Margarete Schweikert zu Hause eine eigene Kammerkonzertreihe. Grund dafür waren die wirtschaftlichen Krisen, die das öffentliche Konzertleben stark beeinträchtigten. Die Beschränkung auf Karlsruhe und die Region war auch eine Folge ihrer Heirat und der Geburt der Tochter im Jahr 1924. Während des »Dritten Reichs« erhielt sie als Doppelverdienerin keine Arbeitserlaubnis. Somit blieben ihre musikalischen Aktivitäten auf Veranstaltungen im privaten Rahmen und auf die Heimabende der Nationalsozialistischen Frauenschaft beschränkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm sie ihre Lehrtätigkeit ebenso wie die Hauskonzerte wieder auf. Es entstanden noch einige Lieder. Margarete Schweikert starb am 13. März 1957 in ihrer Heimatstadt.

Weibliche Spätromantik à la Reger
Mit großer Zielstrebigkeit und beeindruckender Konsequenz verfolgte Margarete Schweikert ihre musikalische Ausbildung und Laufbahn als Virtuosin und Komponistin. Ihre größten Erfolge feierte sie um 1920; im ganzen süddeutschen Raum wurde sie als für ihre ausdrucksstarke Klavierlieder und als Kammermusikerin geschätzt. Beinahe ihr gesamtes Leben war Margarete Schweikert eine feste Größe im kulturellen Leben ihrer Heimatstadt Karlsruhe. Sie schrieb über 100 Lieder mit Klavierbegleitung nach Texten verschiedener Dichter und Dichterinnen, darunter Gustav Falke, Johann Wolfgang von Goethe, Gustav Schüler, Hans Heinrich Ehrler, Martha Kropp, daneben geistliche und weltliche Chorsätze, eine größere Anzahl von Klavier- und Orgelstücken, Werke für Violine mit Begleitinstrument sowie einige Werke für Kammermusik. Diese sind vielfältig auch im Unterricht einsetzbar. Margarete Schweikerts Werke stehen ganz im Zeichen der Spätromantik – stilistisch in der Nachfolge Max Regers. Typisch für ihre Kompositionen ist ein sehr gefühlvoller Tonfall.

Ersteinspielungen bei Salto Records (SAL 7019)

Wiederbelebung ihres Werks ist gestartet …
Da ihre Werke größtenteils nicht publiziert wurden, startete die Karlsruher GEDOK, die Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfreunde e.V.,im Februar 2012 ein auf mehrere Jahre angelegtes Schweikert-Projekt. Zum 125. Geburtstag Schweikerts erschien eine CD mit einem Querschnitt ihres Schaffens, dessen Schwerpunkt auf dem Kunstlied liegt. Die Edition einzelner Werke und Werkgruppen im Furore-Verlag beginnt mit der Novellette für Klavier solo (s.u.). In Vorbereitung ist die Veröffentlichung der »Serenade auf dem Meer« (ca. 1907), der drei »Wolken-Lieder« (um 1920) und der zwei späten Lieder »Einem Vorangegangenen« und »Leid« (1947).
Birgitta Schmid/Sabine Kemna

 

Notenfutter für neugierige junge Instrumentalisten:

  • Novellette für Klavier (Furore Verlag fue 10089, ISMN 979-0-50182-089-4, EUR 6,-). Das kurze Klavierstück, um 1908 im Stil einer Barkarole kompniert, hat eine feste Form, die die Komponistin mehrfach mit fantasievollen Ausbrüchen zu sprengen scheint.

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